Kirchliche Denkmalpflege

Die Kirchenbauten des Erzbistums Berlin mit ihrer künstlerischen Ausstattung gehören in den Zuständigkeitsbereich der Kunstbeauftragten (Wandgemälde, Altäre, Bilder, Skulpturen, liturgisches Gerät).

Dazu gehört nicht nur der liturgische Raum selbst, sondern auch alle Nebenräume, Keller, Speicher und Abstellkammern, in denen Kunstgegenstände ausgelagert sind.
Die Bestandaufnahme in Text und Bild ist Vorraussetzung jeder restauratorischen Maßnahme, die nach Beratung mit der Kunstbeauftragten erfolgen sollte, um unprofessionelle Maßnahmen zu vermeiden. Eine unprofessionelle Restaurierung bedeutet Zerstörung des Kunstwerkes und deutliche Minderung seines historischen, künstlerischen und nicht zuletzt materiellen Wertes - eine kompetente Restaurierung von Figuren, Bildern, Altären und vor allem liturgischer Geräte bedeutet Wertsteigerung. Kirchliche Denkmalpflege heißt Sicherung kultureller Substanz und gehört wesentlich zur Identität jeder Ortskirche.

Restaurierung der Maria in der St. Hedwigs-Kathedrale

Die Marienfigur in der St. Hedwigs-Kathedrale ist restauriert worden. Kerzenruß überzog seit über zehn Jahren die Muttergottes auf der Mondsichel in der Oberkirche. Die Berliner Diplom-Restauratorin, Dörte Busch,  übernahm die Restaurierung und verhalf der kostbaren polychrom gefassten Holzfigur zurück zu ihrem freundlichen und vitalen Ausdruck, den der Kerzenruß lange Zeit verschleierte.

Marienfigur VorzustandMarienfigur restauriert

Letztlich wäre auch die materielle Substanz der Mariengestalt mit ihrem Kind gefährdet gewesen, die aus dem späten Mittelalter stammt – vermutlich aus der Bildhauerschule des Michel Ehrhart in Ulm, um 1500.  Die Restauratorin hat das Werk nur gereinigt, mit speziellen Pinseln und trockenen Schwämmen. Um das Gesamtbild zu beruhigen, musste Busch zahlreiche Retuschen vornehmen. Das Ergebnis wird im Vergleich zwischen dem Zustand vor- und nach der Restaurierung deutlich.

Marienfigur VorzustandMarienfigur restauriert

Täglich zünden Gläubige viele Kerzen und Lichter an diesem Ort der Marienverehrung in der Kathedrale an. Das darf auch so bleiben. Allerdings sollte der bronzene  Leuchterkranz direkt unter der Muttergottes in Zukunft nicht mehr mit Kerzen bestückt werden –  dann hält die Muttergottes auch länger durch.

Weitere Restaurierungsbeispiele:

  • "Heilige Nacht", Franz Hillner 1767, Öl auf Leinwand mit Schmuckrahmen, Kath. Kirche Peter und Paul, Potsdam
  • "Ziborium", Silber vergoldet und graviert, Neugotisch, um 1900
  • "Maria Himmelskönigin", Holz polychrom gefasst, um 1900, Kath. Kirche St. Joseph, Trebbin
  • "Geburt Christi", Antoine Pesne, Berlin um 1740

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Heilige Nacht
Kopie nach Antonio Alegri, genannt Correggio (Dresdener Gemäldegalerie)
von Franz Hillner 1767 (1745-1812)
Öl auf Leinwand mit Schmuckrahmen
Das Bild wurde 2009 konserviert und gereinigt. Vor der Restaurierung:
Verschmutzungen und Korrosionsschäden bewirkten ein ungepflegtes Erscheinungsbild des fein gearbeiteten Speisekelches.

Nach der Restaurierung:
Im Ultraschall- und Reduktionsbad konnten die Verschmutzungen gelöst werden ohne Eingriff in die alte Substanz. Eine Neu-
vergoldung war nicht notwendig. Vor der Restaurierung:
Durch die stark verschmutzte Oberfläche, mehrfache, teilweise unsachgemäße Überfassungen und unsensible Ausbesserungen war das festliche und elegante Erscheinungsbild der Figur verdüstert und entstellt. Dies wird u.a. an den Füßen mit den Rosen besonders deutlich.

Nach der Restaurierung:
Eine Befunduntersuchung ließ die ursprüngliche Farbfassung erkennen. Die originale Inkar-natfassung an Gesicht, Hals, Händen und Füßen wurde freigelegt, ebenso die Rotfassung der Rosen auf den Füßen, die Vergoldung am Haar. Die Rotfassung des Untergewandes wurde teilrekonstruiert, die Blaufassung des Innen-mantels gereinigt und retuschiert, ebenso die Goldfassung des Mantels außen. Die Poliment-vergoldung der Krone wurde freigelegt und fehlende Kronenspitzen ergänzt. Vor der Restaurierung:
Ein matt und opak gewordener Firnis, starke Verschmutzung der Bildoberfläche, etliche Rissbildungen und Übermalungen vor allem der dunklen Partien haben die von leuchtender Farbigkeit lebende Bildaussage verunklärt.

Nach der Restaurierung:
Reinigung der Bildoberfläche, Abnahme des alten und dunklen Firnisses und der darunter liegenden Verschmutzung, Abnahme späterer Übermalungen sowie kleine farbliche Retuschen brachten dem barocken Gemälde die ursprüngliche Leuchtkraft wieder.
Dr. Christine Goetz

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Kontakt

Erzbischöfliches Ordinariat Berlin - Kunstbeauftragte -
Dr. Christine Goetz
Kunsthistorikerin
Tel.: (030) 326 84-116/329
Fax: (030) 326 84-276
E-Mail: Christine Goetz

Dr. Christine Goetz inventarisiert

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