Radiowort

Österliche Bußzeit: Den Seelenmüll entsorgen

03. März 2017 Erzbischof Dr. Heiner Koch

„Das ganze Leben soll Buße sein!“ hat Martin Luther in der ersten seiner berühmten Thesen zur Reformation geschrieben. Diese Botschaft war schon damals vor 500 Jahren nicht selbstverständlich – und ist es heute noch viel weniger. Buße kommt ja in unserem alltäglichen Sprachgebrauch nur noch selten vor, zum Beispiel beim Bußgeldkatalog. Oder in der Umgangssprache, wenn jemand sagt: „Das sollst du mir büßen!“

Dabei meint „büßen“ in seiner eigentlichen Bedeutung nicht Rache nehmen, sondern Innehalten und Umkehren. Sich abwenden von Verhaltensweisen, die vielleicht auf den ersten Blick attraktiv erscheinen; von denen wir aber – mehr oder weniger deutlich – wissen, dass sie schädlich, ungesund oder unmoralisch sind. Wer zu viel trinkt oder isst, der spürt instinktiv, dass er sich selbst schadet. Wer lügt und betrügt, weiß im Grunde, dass er dies zu Lasten der anderen tut. Wer immer zuerst an sich selber denkt und nur den eigenen Vorteil sieht, wird mit der Zeit von den anderen schief angesehen und isoliert.
Alle diese negativen Verhaltensweisen sind Bestandteil unseres täglichen Umgangs. Nicht jeder kann erfolgreich dagegen ankämpfen. Und keiner ist ohne Fehl und Tadel.

Aber: wir müssen unsere moralischen Defizite nicht als Naturgesetz hinnehmen! Es hilft auch nicht die Klage, dass alle immer egoistischer werden und die Gesellschaft immer kälter. Wir können etwas dagegen tun. Zum Beispiel indem wir ab und an bewusste Zeiten des Innehaltens pflegen, in denen wir nachdenken über unseren je eigenen moralischen Kompass.

Wer den Müll nicht runterbringt, braucht sich nicht zu wundern, wenn es bald schlecht riecht in der Küche. So ähnlich ist es auch mit dem Müll in unserer Seele. Wenn wir den niemals entsorgen, laufen wir Gefahr, dass wir darin ersticken.

In den Kirchen hat jetzt die vierzigtägige Vorbereitungszeit auf Ostern begonnen. Das ist so eine Zeit der Besinnung und der Seelen-Reinigung. Nutzen wir sie – zu unserem eigenen Wohlergehen. Und zum Neuanfang mit jenen, die noch eine Rechnung mit uns offen haben.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Fastenzeit!

Wort des Bischofs

vierzehntägig samstags, 9.50 Uhr

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