Radiowort

100 Jahre Marienerscheinungen in Fatima

31. März 2017 Erzbischof Dr. Heiner Koch

Am 13. Mai 1917, die Welt befindet sich seit drei Jahren in einem erbarmungslosen Krieg, sehen drei Kinder am Himmel eine Frau, die sie als „schöner und heller als die Sonne“ bezeichnen. Die Frau stellt sich ihnen als „Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz“ vor, als die Gottesmutter Maria und spricht von Buße, Umkehr und vom Frieden.

Der kleine Ort, an dem sich das ereignet hat, liegt am westlichsten Ende Europas und heißt Fatima. Die katholische Kirche hat das, was die Kinder gesehen haben, als eine Marienerscheinung anerkannt, Fatima ist heute einer der größten Wallfahrtsorte, nicht nur der Christenheit. Millionen Menschen pilgern dorthin, um für ihre persönlichen Anliegen, aber auch für den Frieden in der Welt zu beten.

Gleichzeitig sind Marienerscheinungen auch für manchen Katholiken nicht so besonders „angesagt“. Manche halten solche Erscheinungen auch für völlig unmöglich – allenfalls für Halluzinationen. Aber: wer sagt denn, dass es nicht mehr geben kann, als den fassbaren und erforschbaren Kosmos? Wäre es nicht ein Zeichen redlicher Bescheidenheit, zuzugeben, dass die Grenzen unserer Erkenntnis nichts darüber aussagen, ob es nicht doch mehr gibt, als wir uns vorstellen können? Dass es eine göttliche Welt geben kann, in der wir vielleicht nur ein kleiner Teil sind?

Die Kinder von Fatima sehen tiefer und weiter, weil ihnen von Gott mehr gezeigt wurde. Wieso soll das unmöglich sein? Zudem sind die Gebetsanliegen in Fatima weiterhin sehr aktuell: Umkehr und Frieden hat die Welt nach wie vor dringend nötig.

Dafür müssen wir allerdings nicht nach Fatima fahren. Denn anlässlich des 100. Jubiläums der Erscheinungen kommt eine Abbildung der Muttergottes von Fatima zu uns nach Berlin, heute Nachmittag macht sie Station in Spandau. Und dort werde ich im Geist von Fatima – hoffentlich mit vielen anderen Christen – für den Frieden beten, in der Welt, in unserem Land, in unserer Stadt, aber auch in unseren Beziehungen und Familien.

Für mich wird an Fatima deutlich, dass Himmel und Erde zusammengehören, die Erscheinung am Himmel hat nur eine Bedeutung, wenn sie auch eine verändernde Wirkung auf uns hat, sonst wäre es sinnlose Zauberei.

Für uns Berliner gibt es übrigens eine besondere Verbindung mit Fatima: in dem portugiesischen Ort steht ein Stück der Berliner Mauer, als Mahnung und aus Dankbarkeit über das friedliche Ende der Teilung unserer Stadt.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende und einen gesegneten Sonntag!

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vierzehntägig samstags, 9.50 Uhr

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