Radiowort

Johannes der Täufer: unbeugsam und gradlinig

23. Juni 2017 Erzbischof Dr. Heiner Koch

Johannes steht als Namenstag ein paar Mal im Heiligenkalender. Heute aber feiern wir den Namenstag des ältesten christlichen Heiligen, Johannes des Täufers. Der älteste Heilige, weil er schon vor Jesus Christus auftrat und ihn ankündigte. Wie wichtig er uns ist, kann man daran erkennen, dass sein Namenstag genau ein halbes Jahr vor Heilig Abend gefeiert wird. Prominenter geht es kaum.

Johannes der Täufer beeindruckt mich wegen seiner Bescheidenheit. Er maßte sich nicht an, bedeutender zu sein als Jesus. „Ich taufe euch mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, ich bin es nicht wert, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.“ (Lk 3,16). Das wollten die, die es hörten, vermutlich kaum glauben, denn er muss mit seinen Bußpredigten Eindruck hinterlassen haben. Im Lukas-Evangelium heißt es, die Leute seien so beeindruckt von Johannes dem Täufer gewesen, dass sie überlegten, „ob Johannes nicht vielleicht selbst der Christus sei“ (Lk 3, 15). Das imponiert mir an Johannes dem Täufer: Er hat offenbar nicht im Traum daran gedacht, sich mit fremden Federn zu schmücken.

Und er ist mutig aufgetreten. Er ließ sich von keiner Macht von seiner Botschaft abbringen. Das hat ihn schließlich seinen Kopf gekostet. Wegen seiner Unbeugsamkeit wurde er geköpft. Ein wenig von seiner Geradlinigkeit täte uns Christen auch heute in manchen Auseinandersetzungen sehr gut.

Menschen wie Johannes den Täufer brauchen wir auch in unserer Zeit so dringend. Menschen, die sich voll und ganz in den Dienst nehmen lassen. Menschen, die kein Blatt vor den Mund nehmen, wenn sie etwas kritisieren, aber nicht etwa, weil sie möglichst viele „Follower“ bei Twitter haben wollen, sondern weil es ihnen wichtig ist und weil sie überzeugt sind, dass es richtig ist, was sie denken und tun.

Ich wünsche mir Menschen, die - wie Johannes der Täufer - vorangehen, sich nicht vorsichtig umdrehen und gucken, ob einer mitkommt, die vorbereiten, die oft im Verborgenen die Vorarbeit machen und dabei nicht an den eigenen Ruhm denken, sondern daran, dass das große Ganze gelingt und gut wird.

Allen, die heute ihren Namenstag feiern, meine herzliche Glück- und Segenswünsche! Und denken Sie daran: Johannes heißt übersetzt: Gott ist da. Diese Erfahrung wünsche ich uns allen.

Wort des Bischofs

vierzehntägig samstags, 9.50 Uhr

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