Radiowort

Geistesgaben beim G 20 - Gipfel in Hamburg

10. Juli 2017 Erzbischof Dr. Heiner Koch

In der Hansestadt Hamburg herrscht an diesem Wochenende eine Art Ausnahmezustand. Die Regierungschefs der G 20-Staaten sind hier zusammengekommen, um über Fragen der Weltwirtschaft und der internationalen Zusammenarbeit zu beraten. Das G steht für „Gruppe“. Gemeint sind 19 Staaten und die Europäische Union, die zusammen rund zwei Drittel der Weltbevölkerung und drei Viertel der Weltwirtschaftsleistung repräsentieren.

Das G könnte auch für „Geld“ stehen. Denn bei dem Treffen geht es vornehmlich um Wirtschafts- und Handelsfragen.

Traditionell stößt der G 20-Gipfel auch auf Kritiker und Demonstranten. Ihnen möchte man zurufen, dass sie das G als Hinweis auf „Gewaltfreiheit“ verstehen.

Ich würde mir wünschen, dass das G auch für „Geburt“ steht. Denn die Staatschefs könnten das Treffen nutzen, um sich erneut und mit zäher Energie über den Beginn eines Weges zum Frieden zu verständigen – im Nahen Osten und all den anderen Krisengebieten, in denen sie wirtschaftliche Interessen und politischen Einfluss haben.

Aus kirchlicher Perspektive wäre es naheliegend, das G als Abkürzung für „Gebet“ zu verstehen. Denn Gläubige haben zwar keinen speziellen Einfluss auf die ökonomischen Rahmenbedingungen und globalen wirtschaftlichen Interessen. Aber fromm sein, heißt nicht, sich aus allen Wirtschaftsfragen raus zu halten. Wir könnten den Gipfel der Staatschefs im „Gebet“ begleiten, im Gebet um Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung.

Im Neuen Testament gibt es auch ein berühmtes G-Wort. Es steht für „Geistesgaben“. Gemeint sind die Fähigkeiten, die der Geist Gottes den Menschen verleiht, die guten Willens sind: Traditionell sind es sieben: Weisheit und Verstand, guter Rat und Tatkraft, Wissenschaft, Frömmigkeit, die aus Selbstbefangenheit befreit,  und Gottesfurcht – also die Ehrfurcht vor etwas, das größer ist, als mein kleines Ich.

Diese sieben Gaben des heiligen Geistes stehen für die Fülle menschlicher Qualitäten, die nötig sind für das erfüllte Leben in einer gerechten Welt. Ich meine, es sind Gaben, die den Staatschefs in Hamburg gut zu Gesicht stünden.

Ich hoffe, dass die Tage des G 20-Gipfels in Hamburg einen Beitrag leisten zu Frieden und zur Bekämpfung von Armut in Europa und der ganzen Welt.

Ihnen wünsche ich ein erholsames Wochenende und einen gesegneten Sonntag.

Wort des Bischofs

vierzehntägig samstags, 9.50 Uhr

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