Radiowort

Rücksicht im Straßenverkehr

02. August 2017 Erzbischof Dr. Heiner Koch

Eigentlich dürfte der Verkehr in Berlin doch gar kein Problem sein. In Frankfurt am Main ist es deutlich enger, in München sind die Staus viel länger, von Mexiko-City, Teheran, Moskau oder London wollen wir gar nicht reden.

Und doch mache ich mir Sorgen um das Miteinander und Nebeneinander von Fußgängern, Rad- und Autofahrern.

Die Politik legt Vorschläge vor, wie das besser funktionieren soll, diese sorgen dann selbst wieder für hitzige Debatten. Gerade das Fahrradfahren polarisiert in den Debatten, gleichzeitig dürfen die Radfahrer auch als eine besonders gefährdete Gruppe gelten.

Ich gestehe, dass ich kaum mit dem Rad fahre, will mich also aus der Diskussion heraushalten. Was ich mir aber wünsche: Dass sich jede und jeder noch einmal die Straßenverkehrsordnung (StVO) durchliest. Das ist nicht die Lektüre-Empfehlung, die man von einem Bischof erwarten würde, aber es reicht aus meiner Sicht der Paragraph 1: „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.“ Und „Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.“

Es steht also nichts vom Recht auf Vorfahrt drin, das wird erst in Paragraph 8 geregelt. Kein Anspruch auf „freie Fahrt für freie Bürger“ wird darin formuliert. Vorsicht und Rücksicht, das sind die entscheidenden Haltungen, übrigens nicht nur für den Straßenverkehr, und zwar ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.

Übrigens, wer lieber in der Bibel liest als in der Straßenverkehrsordnung, dem empfehle ich Matthäus 7,12: „Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen!“

Ich wünsche Ihnen einen unfallfreien und gesegneten Sonntag!

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Wort des Bischofs

vierzehntägig samstags, 9.50 Uhr

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