10. September 2011Zehnter Jahrestag Nine/Eleven

Unauslöschlich haben sich die Bilder der brennenden und zusammenstürzenden Türme des World Trade Centers in New York in unser Bewusstsein gebrannt. Zehn Jahre ist das jetzt her, und immer noch erschauern wir ob dieser Wahnsinnstat verblendeter arabischer Terroristen.

Das Attentat hat die Welt nachhaltig verändert. Es war Auslöser für einen Krieg im Irak und die militärische Intervention in Afghanistan, die bis heute spürbare Auswirkungen hat – bis hin zu den Einsätzen unserer Soldaten in der Krisenregion.

Der Terroranschlag in New York und Washington war auch eine Herausforderung für unser Verhältnis zum Islam. Nicht wenige machten die Religion der Muslime pauschal verantwortlich für die Aggression einzelner. Muslimische Mitbürger, die seit Jahren und Jahrzehnten friedlich zusammenleben, mussten sich des Verdachtes erwehren, ihre Religion fördere den Hass und erschwere das Zusammenleben mit Andersgläubigen. Andere machten generell die Religionen verantwortlich für den Unfrieden in der Welt.

Damit aber tut man den Religionen Unrecht. Christen, Juden und Muslime glauben an den einen Gott, der alles erschaffen hat und alles zu einem guten Ziel führen will. Er ist nicht der Stammesgott einer Volksgruppe oder einer Region. Er gehört weder dem Abendland noch dem Morgenland. Der Zusammenprall der Kulturen, der immer wieder an die Wand gemalt wird, ist eine Folge sozialer Spannungen und ideologischer Konflikte, nicht der Religionen.

Dabei ist nicht zu bestreiten, dass sich in den Heiligen Büchern unserer Religionen Erzählungen von ungeschminkter Gewalt finden. Sie mahnen uns zu einer ständigen Prüfung und Interpretation: Vor welchem zeitgeschichtlichen Hintergrund entstanden diese Schriften, worin besteht ihre bleibende Bedeutung und wie können wir sie neu verstehen?

In der Bergpredigt nennt Jesus diejenigen selig, die Frieden stiften. Und auch im Koran wird unterstrichen, dass der Einsatz für ein friedliches Miteinander eine bleibende und unverzichtbare Aufgabe ist. Der morgige Jahrestag könnte für uns alle ein Ansporn sein, neu über die friedensstiftende Kraft der Religionen nachzudenken und Zeichen des Vertrauens und der guten Nachbarschaft zu setzen.

Ich wünsche Ihnen, liebe Hörerin und lieber Hörer, einen erholsamen Sonntag.

Erzbischof Dr. Rainer Maria Woelki

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vierzehntägig samstags, 9.50 Uhr

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