08. Oktober 2011Weltflucht der Christen?
Zu den am meisten diskutierten Themen nach dem Papstbesuch in Deutschland gehört ein Gedanke von Benedikt dem 16., in dem er vor einer Anpassung der Kirche an die Welt warnte. Die Kirche laufe immer wieder Gefahr, sich in der Welt einzurichten und sich den Maßstäben der Welt anzugleichen, führte der Papst aus. Dies schade aber ihrem missionarischen Zeugnis und ihrer Glaubwürdigkeit, betonte Benedikt der 16. weiter.
Wie stehen Kirche und Welt zueinander? Die christliche Gemeinde verstand sich von ihren Anfängen an als Kontrastgesellschaft. „Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer unter euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der erste sein will, soll der Sklave aller sein…“ (Mk 10,42-44) Mit diesem Satz hat Jesus das Kontrastprogramm der Christen umschrieben. „…Anders“ als üblich sollen die Christen sein, nicht nach Macht und Establishment streben, sondern dienen, ja sogar Sklavendienste nicht zurückweisen.
Die Kirche hat diesen Auftrag Jesu immer ernst genommen und ist heute anerkannter Akteur im großen Bereich der Fürsorge und des sozialen Engagements. Wenn der Heilige Vater von einer notwendigen „Ent-Weltlichung“ der Kirche spricht, dann meint er nicht, dass die Kirche sich aus weltlichen, politischen und sozialen Wirklichkeiten zurückziehen oder gar im Schmollwinkel verharren sollte. Vielmehr muss sie sich immer wieder neu befreien von Konventionen und Gewohnheiten, die dem Auftrag des Evangeliums nicht entsprechen und das Zeugnis des Glaubens verdunkeln.
Wir haben in der zurückliegenden Woche den Gedenktag des Heiligen Franz von Assisi begangen. Er war als junger Mensch eine Art Playboy, ein reicher Erbe. Dann kam er mit der Botschaft des Evangeliums in Berührung und hat sein Leben radikal an Gott hingegeben. In Armut und Demut fand er zusammen mit seinen Getreuen einen Platz in der Gesellschaft und wurde so zu einem Zeichen der Hingabe. Er hat damit ein bleibendes Vorbild gegeben dafür, was es bedeutet, dass ein Leben nach dem Evangelium alle geltenden weltlichen Maßstäbe auf den Kopf stellt. Seine Botschaft richtet sich nicht nur an die anderen, an „die Welt“, sondern auch an die Kirche selbst und ihre Repräsentanten. Auch ihnen bleibt Franz von Assisi Mahnung und Ansporn.
Ich wünsche Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, ein erholsames Wochenende.













