22. Oktober 2011Ob von links oder von rechts: Gewalt ist keine Lösung
„Die Stadt hält den Atem an. Verlangsamt ihr Tempo, vielleicht hält sie inne.“ Das ist kein Zitat aus einem Ratgeber für gestresste Großstädter. Die Sätze stammen aus dem Bekennerschreiben der Menschen, die mit Brandsätzen einen Großteil des Zugverkehrs in Berlin und Brandenburg lahm gelegt haben. Die Brandstifter rechtfertigen die Anschläge mit dem Krieg in Afghanistan, den sie verabscheuen. Zugleich protestieren sie gegen Kinderarmut in Berlin und auch gegen Hartz-IV-Kürzungen. Mancher wird denken: Irgendwie meinen sie es doch gut. Ich bin ja auch gegen den Krieg und für soziale Gerechtigkeit. Der Denkfehler dabei: Gewalt von links ist nicht „besser“ als Gewalt von rechts.
Wer Bomben bastelt oder Autos anzündet hat das Nachdenken und das Argumentieren aufgegeben. Er ist nur noch „dagegen“ - gegen „das System“, gegen „die da oben“. Mit einem ernsthaften Ringen um soziale Gerechtigkeit und Frieden hat das nichts zu tun. Tausende Menschen durch Sabotage zu gefährden und in Angst zu versetzen, ist asozial und kriminell. Auch das gilt sowohl für linke als auch für rechte Zündler: Sie interessieren sich nicht wirklich für den Menschen und sein Wohlergehen.
Die Erfahrung von Gewalt im privaten wie im gesellschaftlichen Bereich zieht sich durch die gesamte Geschichte der Menschheit. Auch der Weg der Kirche durch die Zeit war nicht frei von Gewalt. Das ist beschämend, denn ihr Gründer, Jesus von Nazaret, hat seine Jünger gewaltfreie Lösungsmodelle gelehrt: Sie sollen auf Gegengewalt verzichten, auch dann, wenn sie gerechtfertigt wäre. Die eigenen Aggressionen und Rachegelüste sollen sie zügeln, dem Gegner die Hand reichen und Konflikte durch sachliche Aussprache, durch Vergleich und Versöhnung lösen. „Überwinde mit dem Guten das Böse“, heißt es in der Heiligen Schrift. Leicht ist das nicht, aber doch der einzige Weg, die unheilvolle Kette von Gewalt und Gegengewalt zu durchbrechen. „Selig seid ihr, die ihr keine Gewalt anwendet und Frieden stiftet“, hat Jesus Christus denen versprochen, die sich für wahre Gerechtigkeit einsetzen.
Ich wünsche Ihnen, liebe Hörerin, lieber Hörer, einen gesegneten Sonntag.













