03. Dezember 2011Gewalt von Rechts: Ich dulde keine Stammtischparolen…
Viele Migranten beklagen seit langem eine weitverbreitete Ignoranz gegenüber ausländerfeindlichen Übergriffen. Gewaltverbrechen werden „Dönermorde“ genannt und damit suggeriert, es handele sich um innertürkische Familienfehden; ist ja schließlich stammtischweit bekannt, dass bei denen die Messer locker sitzen. Und damit geht man zur Tagesordnung über, nach dem Motto: Was kümmert mich fremdes Leid.
Doch Wegsehen und Weghören sind gefährlich. Deshalb sind alle demokratischen Kräfte aufgerufen, hinzusehen und Zivilcourage zu zeigen. Zivilcourage, das ist der Mut zu Hause, in unserer Stadt.
Als Erzbischof von Berlin solidarisiere ich mich mit jedem Opfer fremdenfeindlicher Gewalt, unabhängig von seiner Religion oder seinem Herkunftsland.
Die Katholische Kirche ist keine deutsche Nationalkirche; sie ist eine Weltkirche. Und in einer weltweiten Kirche kann es keine Ausländer geben. Jeder fünfte Katholik, der in Berlin zu Hause ist, ist nicht-deutscher Herkunft. Also selbst Migrant - und damit mögliches Ziel rassistisch motivierter Übergriffe, nur weil er - oder sie – vielleicht dunkel getönte Haut hat.
Die Solidarität mit den Opfern rechter Gewalt schließt für mich ein, an einem Klima in der Gesellschaft mitzuwirken, in dem Fremdenfeindlichkeit nicht gedeihen kann. Dass Christen in ihren Gemeinden und Einrichtungen wachsam sind und „den Anfängen wehren“. Ich dulde keine „Stammtischparolen“, auch nicht in den eigenen Reihen.
Und ich appelliere an alle Menschen guten Willens mit dem Satz, mit dem Papst Johannes Paul II. seine Amtszeit begann: „Habt keine Angst!“ Nur wenn wir keine Angst mehr voreinander haben, können wir uns mit Wohlwollen begegnen und Zivilcourage zeigen
Ihnen, liebe Hörerin, lieber Hörer, wünsche ich einen besinnlichen Zweiten Advent.













