16. Dezember 2011Geben ist seliger denn Nehmen (Apg 20,35)

Schenken macht glücklich, da sind sich die Sozialpsychologen einig. Aktuelle Studien belegen: Es besteht ein Zusammenhang zwischen dem persönlichen Glück und dem Aufwenden von Geld, Zeit und Talenten für andere. Wer für andere da ist, ihnen Freude schenkt, stabilisiert sich damit selbst und zwar sowohl seelisch als auch psychosozial. Man fühlt sich gut. Weil alles, was von Herzen kommt, zufrieden macht und Glückshormone freisetzt. Das kann die Aufmerksamkeit für die Reinigungskraft im Betrieb sein, der geschmückte Christbaum für die Tante im Betreuten Wohnen oder ein Gutschein für einen Ausflug mit den Enkeln zum Wildpark Schorfheide.

„Geben ist seliger denn Nehmen“,  das wusste schon die Großmutter. Mit den Studien zum persönlichen Glück ist das Bibelwort nun sozusagen wissenschaftlich belegt. Der Apostel Paulus zitiert Jesus Christus mit diesem Satz. Er erinnert die Christen daran, großzügig zu sein und ein Herz für die sozial Schwachen zu haben – also zu beherzigen, was sie von Jesus Christus gelernt haben.

Heute ist das Schenken manchmal eine Pflichtübung oder dient der Status- und Beziehungspflege. Früher hatte es dagegen mehr  symbolischen Charakter. Man schenkte den Armen zu Weihnachten etwas zum Essen und Trinken - damit sie den Geburtstag Jesu Christi mitfeiern konnten. Seit der Reformation wurden in Deutschland auch die Kinder bedacht, mit „Äpfel, Nuss, Mandelkern“. Seit Weihnachten im 19. Jahrhundert in der Zivilgesellschaft zum Familienfest wurde, beschenkten sich auch die Erwachsenen untereinander. Dabei gingen die Geschenke deutlich über das Lebensnotwendige hinaus: Ein Buch, Süßigkeiten oder Spiele lagen auf dem Gabentisch. Sie sollten die Freude vermitteln, die das Geheimnis der Heiligen Nacht vermittelt.

Denn Weihnachtsgeschenke erinnern an das erste und größte Geschenk, das Gott selbst uns allen mit der Geburt seines Sohnes gemacht hat. Deshalb kündet jede Gabe, die von Herzen kommt, von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus Mensch geworden ist. Und deshalb ist Geben seliger als Nehmen.

Ich wünsche Ihnen, liebe Hörerin, lieber Hörer, einen besinnlichen Vierten Advent und Freude am Schenken.

Erzbischof Dr. Rainer Maria Woelki

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