30. Januar 2012Organspende muss freiwillig bleiben
Die Deutschen spenden weniger Organe. Die Zahl der Organspenden ist im vergangenen Jahr gesunken. Ich kann mir vorstellen, wie bitter es ist, als Kranker Jahr um Jahr auf ein Spenderorgan zu warten. 12 000 Menschen in Deutschland geht es so, sie brauchen eine neue Niere oder ein neues Herz. Täglich sterben durchschnittlich drei von ihnen. Weil sie nicht mehr warten konnten.
Die Organspende ist ein Akt mitmenschlicher Solidarität über den Tod hinaus. Wer sich dazu bereit erklärt, sagt: Wenn mein irdisches Leben unwiderruflich zu Ende ist, und ich dennoch einem anderen helfen kann zu leben, dann will ich dem zustimmen, und zwar zu Lebzeiten.
Doch immer noch sind es zu wenige, die einen Organspendeausweis haben. Daher drängt die Mehrheit der Abgeordneten des Bundestags auf eine Änderung der Transplantationgesetze. Das „Spenderaufkommen“ muss erhöht werden, und dafür wird Druck ausgeübt, es wird suggeriert: Wenn du nicht bereit bist, nach deinem Tod deine Organe weiterzugeben, bist du kein guter Mensch. Das ist unmoralisch: Organspender und -empfänger dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Die Entscheidung für oder gegen Organspende muss dem Einzelnen beziehungsweise dessen Angehörigen überlassen bleiben. Eine gesetzliche Pflicht, sich zur Spendenbereitschaft zu äußern, darf es demnach nicht geben.
Ich sehe die Not all derer, die auf ein Spenderorgan angewiesen sind. Ich kann aber auch verstehen, wenn ein hirntoter und beatmeter Mensch nicht als Toter begriffen wird: weil er noch gut durchblutet und warm ist und sein Herz noch schlägt. Ist der Hirntote bereits ein Leichnam oder erst ein Sterbender? Beschleunigt die Organentnahme möglicherweise den „Ganztod“? Und ist das Gehirn das entscheidende Organ für das Mensch-Sein? Fragen, die nach Antworten von Justiz, Medizin, Ethik und philosophisch begründeter Theologie verlangen. Ich halte daher eine transparente Debatte über den Todeszeitpunkt des Menschen für dringend geboten – gerade im Interesse derer, die auf ein Spenderorgan warten.
Ich wünsche Ihnen, liebe Hörerin, lieber Hörer, einen gesegneten Sonntag.













