11. Februar 2012Berlins traurigster Spitzenplatz: In keiner anderen deutschen Großstadt leben so viele Kinder von Hartz IV
Es ist der traurigste Spitzenplatz, den Berlin inne hat: Noch immer lebt mehr als jedes dritte Kind unter 15 Jahren von Hartz IV. Das bedeutet: Für viele Kinder in Hellersdorf gibt es die einzige warme Mahlzeit am Tag beim Kinder- und Jugendprojekt „Die Arche“. Marzahner Schulkinder frühstücken auf Kosten der Caritas, damit ihnen im Unterricht nicht der Magen knurrt.
Auf den ersten Blick ist Berlin kinderfreundlich. Beim Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf beispielsweise schneidet die Hauptstadt gut ab. Doch der erste Eindruck trügt: Berlin bleibt die „Hartz-IV-Hauptstadt“ – auch für die Kinder. In allen Bundesländern hat sich die Zahl der Minderjährigen, die von staatlicher Grundsicherung leben, verringert, in Bayern zum Beispiel um mehr als 20 Prozent. In Berlin sank ihre Zahl lediglich um mickrige 1,2 Prozent - ein Armutszeugnis für die Familienpolitik.
Für die Kinder bedeutet die wachsende Armut, dass ihnen bereits in jungen Jahren die Zukunft verbaut wird. Klassenfahrten, Musikschule oder Sportverein können sie vergessen. Und da die Armut in bestimmten Stadtteilen Berlins besonders zunimmt, entwickeln diese sich zu Armenvierteln: Die Kinder leben in zu kleinen Wohnungen, können in solcher Enge nicht vernünftig lernen. Ihre Begabungen verdorren. Sie werden verhaltensauffällig, geraten immer tiefer in die Armutsfalle. Sozial schwache Familien werden ausgegrenzt.
Traurig, aber wahr: Es gibt Familien und Alleinerziehende, die nicht in der Lage sind, sich selbst zu helfen. Sie sind weder faul noch „dekadent“ - sie sind arm. Diese Menschen müssen die Solidarität der Gesellschaft in Anspruch nehmen können, ohne ein schlechtes Gewissen dabei zu haben oder sich verschämt zu verstecken. Aufgabe der Politik ist es, für diese Solidarität zu sorgen - vor allem mit den hilfebedürftigen Kindern.
Ich appelliere an die Politiker, die wenigen Kinder, die wir haben, so zu fördern, dass sie eine Zukunft haben. Wer heute in den Bereichen Jugend und Familie spart, der vergisst: Die Folgekosten werden sehr viel höher sein.













