Schlaglicht

aus dem Erzbistum Berlin

Kirche feiert Seligsprechung von Hitler-Gegner Lichtenberg

24. Juni 2016 KNA

Berlin/Hof (KNA) An die Seligsprechung des Dompropstes und Hitler-Gegners Bernhard Lichtenberg (1875-1943) vor 20 Jahren hat das Erzbistum Berlin feierlich erinnert. Zum Gedenken fand am Donnerstagabend in der Sankt-Hedwigs-Kathedrale der Hauptstadt ein Festgottesdienst mit dem Papst-Botschafter, Erzbischof Nikola Eterovic, und dem Berliner Erzbischof Heiner Koch statt. Auch zahlreiche Katholiken aus Deutschland und Polen nahmen teil.

Bei seinem Berlin-Besuch am 23. Juni 1996 hatte Papst Johannes Paul II. Lichtenberg zusammen mit dem Priester Karl Leisner (1915-1945) seliggesprochen. Damit erhob er sie zu Vorbildern des Glaubens. An dem Gottesdienst im Olympiastadion nahmen 90.000 Katholiken vor allem aus Deutschland und Polen teil.

In dem Gedenkgottesdienst würdigte der Generalvikar des Erzbistums, Tobias Przytarski, Lichtenberg als einen der wenigen Menschen, die sich vor den Nationalsozialisten nicht geduckt hätten. "Er wusste immer, was er riskierte - mit seinen Protesten, seinen Briefen und Predigten gegen staatliches Unrecht und menschenverachtende Gewalt", betonte Przytarski. (Vollständige Predigt)

Lichtenberg war von 1938 bis 1941 leitender Priester an der Sankt-Hedwigs-Kathedrale, in deren Krypta er jetzt bestattet ist. Wegen seiner öffentlichen Gebete "für die verfolgten Juden" und weitere Opfer des Regimes verhafteten ihn die Nationalsozialisten. Am 5. November 1943 starb er auf dem Transport in das Konzentrationslager Dachau im oberfränkischen Hof.

Erzbischof Koch bezeichnete Lichtenberg in einem Gastbeitrag für die Boulevardzeitung "B.Z." (Donnerstag) als Vorbild. "Sein Engagement galt allen Notleidenden und Verfolgten, das waren in Kriegszeiten Soldaten, Ausgebombte, Hungrige, aber insbesondere die Juden", betonte der Erzbischof. Lichtenberg habe das christliche Liebesgebot "ohne jede Einschränkung durch Religion, Rasse oder Herkunft ernst genommen". Das Erzbistum Berlin strebt auch eine Heiligsprechung Lichtenbergs an, mit der eine weltweite Verehrung verbunden wäre. 2004 nahm die israelische Gedenkstätte Yad Vashem den Dompropst unter die "Gerechten unter den Völkern" auf.

In Hof würdigte am Donnerstagabend auch der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick den Dompropst. Lichtenberg sei heute so aktuell wie vor 80 Jahren, betonte Schick. Er erinnerte daran, dass Papst Johannes Paul II. bei der Seligsprechung zum Einsatz für ungeborene, schwerstkranke, alte und notleidende Menschen aufgerufen habe. Dazu zählten heute auch Flüchtlinge und verfolgte Christen.

Predigt Prälat Przytarski