Schlaglicht

aus dem Erzbistum Berlin

Mit dem Kreuz "Unter den Linden" entlang Mehrere hundert Teilnehmer bei Karfreitagsprozession in Berlin

18. April 2017 Von Benjamin Lassiwe (KNA)

Foto: Thorsten Wittke, Referent für Öffentlichkeitsarbeit der EKBO

Berlin (KNA) Für einen Moment stehen alle Touristenbusse still. Ungläubig blicken die Passanten auf Berlins Prachtboulevard "Unter den Linden" auf den Aufzug, der ihnen da von der Sankt Marienkirche am Alexanderplatz entgegenkommt.

Ein großes grünes Kreuz, getragen von zwei Geistlichen, Berlins katholischem Erzbischof Heiner Koch und evangelischem Bischof Markus Dröge. Gefolgt von evangelischen Pfarrern im schwarzen Talar und Mitgliedern des Johanniterordens in Umhang mit weißem Malteserkreuz. Und mehreren hundert Menschen, die schweigend die Straße entlang ziehen, nur vom rhythmischen "klack-klack" der Klanghölzer unterbrochen.

Seit 2010 lädt der evangelische Berliner Kirchenkreis Stadtmitte Jahr für Jahr zu einer Karfreitagsprozession durch die Berliner Innenstadt ein. Der Ablauf ist immer der gleiche: An mehreren Stationen gibt es eine kurze Ansprache. An der von Schinkel erbauten "Neuen Wache" etwa berichtet eine Älteste der koreanischen Gemeinde Berlins vom Schicksal der Christen in Nordkorea.

Vor der katholischen Sankt-Hedwigs-Kathedrale spricht Erzbischof Koch über den von den Nationalsozialisten verfolgten Dompropst Bernhard Lichtenberg, auf "dessen baldige Heiligsprechung wir hoffen", sowie den ebenfalls verfolgten und in der sibirischen Verbannung verstorbenen Märtyrer Petro Werhun.

Es folgt eine Lesung aus der biblischen Passionsgeschichte und eine von allen Teilnehmern gesungene Strophe des Chorals "O Haupt voll Blut und Wunden" des einst auch in Berlin aktiven protestantischen Dichters Paul Gerhardt. Anschließend nehmen einige Teilnehmer der Prozession das große, schwere Kreuz empor - und es geht weiter, "Unter den Linden" entlang zur Friedrichstraße, schließlich zum Gendarmenmarkt.

Immer wieder stehen Menschen am Straßenrand, denen anzusehen ist, wie sehr sie die Prozession aus dem touristischen Alltag reißt. Auf der Friedrichstraße gibt es einen kleinen Zwischenfall: Ein Radfahrer kommt dem Zug entgegen und beginnt, laut über die Kirche zu fluchen. Schweigend ziehen die Christen weiter.

Schließlich der Gendarmenmarkt. Zum Abschluss der Prozession erinnert Bischof Dröge an das Schicksal der Kopten in Ägypten. "Wie werden sie nach den Attentaten Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern feiern?", fragt er. Er selbst könne für die Menschen in Ägypten nur beten, fügt Dröge hinzu, und wendet sich an die Prozessionsteilnehmer. "Wir haben das Kreuz in die Stadt getragen", sagt er. "Es ist ein Zeichen der Versöhnung und der Liebe Gottes zu den Menschen."