Schlaglicht

aus dem Erzbistum Berlin

„To den Wilsnack“ Pilgerweg zur Wunderblutkirche neu entdeckt

25. April 2017 Kaplan Raphael Weichlein

Foto: privat

Der Ort Wilsnack in der Ostprignitz galt im Spätmittelalter als das Santiago des Nordens. Im Jahr 1383 sollen drei Hostien einen Kirchenbrand unversehrt überstanden haben; zudem sollen Spuren von Blut auf den Hostien zu sehen gewesen sein. Die historischen Ereignisse lassen sich heute nicht mehr überprüfen, doch ist es eine Tatsache, dass eine immense Pilgerbewegung „to den Wilsnack“ in den folgenden Jahrzehnten dadurch entstanden ist. Sie machte die brandenburgische Kleinstadt zu einem der größten Wallfahrtsorte Europas überhaupt.

Mit der Reformation ist diese Tradition zum Erliegen gekommen, doch ist heute der Pilgerweg zur Wunderblutkirche St. Nikolai von evangelischen wie katholischen Kirchengemeinden wiederbelebt worden – sogar mit Pilgerpass und Stempel. Die Website www.wegenachwilsnack.de bietet hierfür erste Informationen. Von der Infrastruktur her ist der in den vergangenen Jahren neu erschlossene Fußpilgerweg von Berlin nach Bad Wilsnack mit seinen rund 130 Kilometern ideal für Einzelpilger sowie kleinere Pilgergruppen.

In der zurückliegenden Osterwoche brachen daher einige junge Erwachsene aus der Pfarrei St. Antonius in Berlin-Friedrichshain auf, um sich gemeinsam mit ihrem Kaplan Raphael Weichlein – im wörtlichen Sinne – auf den Weg zu machen. Mit dem Zug in Neustadt (Dosse) angekommen, ging es in zweieinhalb Tagen zu Fuß in das ca. 50 Kilometer entfernte Bad Wilsnack. Gemeinsame Gottesdienste, geistliche Impulse während der Wegstrecke, tief gehende Gespräche zu zweit sowie die abendliche Einkehr in private Pensionen und Ferienwohnungen gaben der Pilgertour eine feste Struktur.

Die biblischen Geschichten von Abraham und dem Auszug aus Ägypten, das Buch Tobit sowie die Wegerzählungen Jesu und der Jünger sind eine bleibende Quelle an spiritueller Inspiration. Durch sie kann es möglich werden, den eigenen Lebensweg in einem neuen Licht zu sehen. Sich selbst auf einen Pilgerweg zu machen, ist eine ganzheitliche Erfahrung, sei es als Gruppe wie auch als Einzelner. Hierfür muss es nicht erst auf den berühmten Jakobsweg nach Spanien gehen. Auch die Region Berlin-Brandenburg hat seit Jahrhunderten sein Santiago des Nordens. Es lohnt sich, die Wallfahrt „to den Wilsnack“ neu zu entdecken.