Schlaglicht

aus dem Erzbistum Berlin

„Auferstehen jetzt. Franziskanische Impulse aus der Großstadt“Ein Buch P. Josef Schulte OFM

07. September 2017 Hermann Fränkert-Fechter

Foto: Walter Wetzler

Wer die über 30-jährige seelsorgliche Tätigkeit von Pater Josef Schulte OFM in St. Ludwig in Berlin-Wilmersdorf ganz oder teilweise mitverfolgen konnte, der wird gespannt in sein Buch "Auferstehen jetzt. Franziskanische Impulse aus der Großstadt " schauen wollen. Schon die Predigten und Rundfunkandachten des Franziskaners inspirieren bis heute viele Menschen, weil sie spüren, dass hier einer nicht vom "Hochsitz der Pastoral" aus spricht, sondern die Menschen in ihren alltäglichen Situationen erreichen will. Da spricht einer, der selber eine innere Reise gemacht hat, Entwicklungen durchlaufen hat und jene existentiellen Punkte erreicht, die das Leben schön und schmerzhaft zugleich machen können. Solche existentiellen Erfahrungen beleuchtet der erfahrene Seelsorger sehr vorsichtig aus dem Glauben heraus, fast wie nebenbei werden sie mit biblischen Worten in Beziehung gesetzt. So entstehen kleine erzählerische Einheiten voller Weisheit und Lebenserfahrung.

Das Buch von Pater Josef ist sozusagen die "Ernte" seines Lernen und Reifens im franziskanischen Leben und im Leben mit und in der Ludwigsgemeinde. Seine Gedanken hat er in die Themenbereiche 'Die innere Freiheit entdecken', 'Die eigenen Talente erkunden und einsetzen', 'Inspiriert sein', 'Intensiv leben', 'Mit der Zeit umgehen' und 'Fügungen' eingeteilt.

Gleich die erste Geschichte führt den Leser in die Selbstreflektion: In einer russischen Legende wird die Frau eines Rabbis nach ihrem Tod an der Himmelspforte gefragt, wer sie sei. Stolz erzählt sie, dass sie die Frau des Rabbis sei, dass sie vier Söhne großgezogen habe, dass sie im Dorf die Kleider der Frauen näht. Gott gibt sich mit keiner Antwort zufrieden, er will weder die Ehe- und Familienverhältnisse wissen noch den Beruf der Frau. Seine unerbittliche Frage lautet: "Wer bist du?" Jetzt wird der Armen bewusst, dass sie in ihrem Leben immer nur auf andere bezogen war, ohne zu wissen, wer sie selber ist.

Nun kann man sich natürlich fragen, was an solchen Gedanken franziskanisch ist? Keine Suppenküche, keine Obdachlosenarbeit, keine Psychiatrie-, Gefangenen- oder Randgruppenseelsorge, keine Eine-Welt-Aktion findet sich in dem Büchlein. Der Autor sieht offensichtlich andere Nöte. Seine franziskanischen Impulse wollen das eigene "Ich" stärken, Menschen ermutigen, dem "inneren Fahrplan" zu trauen und nicht in falschen Verflechtungen hängen zu bleiben. "Du bist nicht für jeden und für alles da", hat Pater Josef einmal gesagt und was er darunter versteht, kann an vielen Beispielen nachgespürt werden. Auf Seite 41 schreibt er: "Genießen wir die Freiheit der Kinder Gottes. Lassen wir uns dieses Geschenk nicht nehmen - und nehmen wir es den anderen nicht."

In dem Buch kommt uns ein unerschütterlicher Glaube an die Auferstehung entgegen, der zu einer Spiritualität des Aufstehens im Hier und Jetzt führen will. Ich empfehle, die einzelnen Traktate in kleinen Happen in sich wirken zu lassen und jene Themen zu meditieren, die im eigenen Leben bedeutsam sein können. Dem Buch wünsche ich viele Leserinnen und Leser, auch solche, die Pater Josef erst noch kennen lernen möchten.

Wer mehr über den seelsorglichen Ansatz des Autors erfahren möchte, dem sei der Artikel "Themenzentrierte Seelsorge in der Großstadt" empfohlen unter: www.paterjosefschulteofm.de.

P. Josef Schulte OFM
„Auferstehen jetzt. Franziskanische Impulse aus der Großstadt“<span>Eine Buchbesprechung</span>
Claudias Verlag, München 2017

https://shop.claudius.de/auferstehen-jetzt.html