Schlaglicht

aus dem Erzbistum Berlin

„Ich bin der Martha-Typ“Katharina Mücke im Porträt

04. Dezember 2017 Ariana Mihalopoulos

Am vergangen Sonntag wurde im Gottesdienst das ehrenamtliche Engagement von Katharina Mücke gewürdigt und sie in den „zweiten Ruhestand“ verabschiedet. Eigentlich bedarf Frau Mücke keiner Vorstellung, denn fast jedem Gemeindemitglied in Bruder Klaus dürfte das selbsternannte „Mädchen für alles“ bereits bekannt sein. Wir schauen zurück auf ihr Leben und ihren Einsatz.

Als wir uns zum Gespräch treffen, betont sie mehrmals, dass sie ungern im Mittelpunkt stünde und es der Vorschlag von Pfarrer Pfeifroth war, sie mit einem Porträt im Pfarrbrief anlässlich ihres runden Geburtstages zu würdigen. Ebenso merke ich, dass sie nur ungern von sich selbst erzählt, lieber berichtet sie von den Inhalten ihrer Arbeit und ihren Kindern.

Geboren ist die Berlinerin Katharina Mücke am 14.10.1935 in Oberschöneweide, 1954 machte sie ihr Abitur, seit 1960 ist sie Gemeindemitglied bei Bruder Klaus. Damals zog sie mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann und zwei Kindern hierher. Sie hat inzwischen drei erfolgreiche Söhne und zwei Enkeltöchter, für die sie sich sehr dankbar zeigt. Kirche sei aus ihrem Leben nicht wegzudenken. Schon ihr Vater war im Kirchenvorstand seiner Gemeinde tätig gewesen, mehrmals pro Woche hatte sie als Kind Gruppenstunden und andere Veranstaltungen besucht, mit ihren zwei jüngeren Brüdern spielte sie Gottesdienst. Bis heute weiß sie noch vieles auf Latein zu rezitieren und sagt, dass ihr Grammatik immer viel Freude bereitet hätte.

Ihre Liebe zur deutschen Sprache führte sie zur Mitarbeit bei den Pfarrnachrichten: „Als 2002 eine freie Stelle beim Pfarrnachrichtenblatt vermeldet wurde, habe ich mir gedacht, das wäre was für mich“. Später kamen der Aufbau der Blumengruppe, sowie die Zuständigkeit für die Ministrantenkleidung hinzu. Ein Schlüsselerlebnis hatte sie während einer Reise der Gemeinde nach Flüeli, über die sie gerne einen Artikel verfassen wollte. Aus ihrer Zeit als Sekretärin, unter anderem für den Bürgermeister von Neukölln, verfügte sie zwar über gute Schreibmaschinenkenntnisse, kannte sich mit Computern aber überhaupt nicht aus. Kurzentschlossen besuchte sie also einen Computerkurs und kaufte sich ebenfalls einen Laptop für zuhause, um unabhängig Artikel verfassen zu können. Als dann aufgrund von Sparmaßnahmen jemand gesucht wurde, der ehrenamtlich im Pfarrbüro mitarbeiten würde, sagte sie auch dort spontan zu.

Zunächst übernahm sie die Sprechstunde am Mittwoch, später griff sie auch der Gemeindereferentin unter die Arme und war im Pfarrgemeinderat beratendes Mitglied. „Ich bin immer weiter hier rein, es wurde immer mehr und mehr.“

Inzwischen arbeitet sie 7 Tage die Woche zu Hause mindestens zwei Stunden pro Tag und erledigt so die meiste Arbeit zu Hause am Computer. An zwei Vormittagen in der Woche ist sie im Pfarrbüro. „Ich habe immer gesagt, mit 80 höre ich auf. Aber was mache ich dann zuhause? Fernsehen ist nicht meine Welt: Nee, also du machst weiter, hab ich mir dann gesagt. Heute ist 80 doch gar nichts mehr, alle werden doch 80`. Am liebsten an der Arbeit möge sie den Kontakt zu den Menschen: „Die Dankbarkeit und Wertschätzung: Ich höre immer wieder: Ach, ist das schön, dass Sie da sind“.

Bis vor kurzem ist sie 17 Jahre lang einmal pro Woche ins Fitnessstudio gegangen, bemüht sich, alle Wege mit dem Fahrrad zurückzulegen und geht regelmäßig schwimmen: „Bis vorheriges Jahr bin ich noch 1000 m im Stück geschwommen, aber jetzt habe ich reduziert auf 600 m,“ sagt sie, sich fast entschuldigend. „Ich bin aber froh und dankbar, dass es mir gesundheitlich mit einigen Einschränkungen noch so gut geht, dass ich das alles machen kann, dass mein Geist noch voll da ist. Das ist wichtig für meine Arbeit hier mit den Daten, ich mache ja die ganze Terminkoordination. Das habe ich früher auch gemacht. Ich musste immer alles im Kopf haben, was läuft“.

Sie wirft mit technischen Begriffen wie „Beamer“ und „USB-Stick“ um sich, als wäre dies ganz selbstverständlich, obwohl viele der jüngeren Generation nichts damit anzufangen wissen. Ihre Aufgeschlossenheit zeigt sich auch in der Zusammenarbeit mit den Pfarren: „Ich habe in drei Jahren vier verschiedene Pfarrer gehabt. Wenn so eng zusammenarbeitet wird, muss man sich immer einstellen auf die Leute. Das ist mir bisher ganz gut gelungen“.

Auf die Frage, was sie sich für die Zukunft der Kirche vorstellen würde, antwortet sie, dass die Einstellung vieler junger Leute gegenüber der Kirche ihr wehtäte: „Die Bindung zur Gemeinde ist nicht mehr da. Nun, wir hatten früher diese Ablenkungen nicht, wie Internet und Fernsehen“. Gerne würde sie wieder einen aktiven Familien- und Frauenkreis in der Gemeinde erleben, aber niemand wolle sich fest an ein Engagement binden. Sie fände es schade, dass sich auf Aufrufe im Nachrichtenblatt, was Ehrenämter angeht, selten Mitglieder melden würden. Dass nicht alle Mitglieder Ehrenämter zu gleichen Teilen übernehmen könnten, dafür hat auch sie Verständnis: „Wenn sie einen Pflegebedürftigen zuhause haben oder Familie und Arbeit, dann sind sie da gefordert, dann können sie nicht noch ehrenamtlich arbeiten“. Jeder solle das tun, was er könne, man müsse seine Talente nicht immer verstecken. Gemeinde lebe von Ehrenamtlichen. Wenn nicht alle ihren Teil beitrügen, würden die einen sich kaputt machen und die anderen bloß konsumieren. Sie sehe es als Auftrag von Gott, als Verkündigung: „Im Religionsunterricht wurde uns gesagt, ihr seid katholisch, ihr müsst die Besten sein. Lauft so, dass ihr den Preis gewinnt. Das hat mich immer beflügelt: Die Katholiken müssen Vorbild sein. Deshalb habe ich mich immer weiterentwickelt und weitergelernt. Es ist ja auch eine Befriedigung, wenn man sieht, dass alles läuft und klappt.“ Zwar sei es ihr peinlich, wenn der Pfarrer ihren Namen in der Kirche vermeldet, trotzdem freue sie sich über die Anerkennung.

Der plötzliche Tod ihres Mannes war damals ein großer Schock für sie, aber für sie habe es sich am Ende zum Guten gewendet: „Da hat der liebe Gott das schon lange vorher für mich so eingerichtet, dass ich das hier mal machen kann. Wenn Sie auf die Bibel zurückkommen, bin ich also der Martha-Typ. Ich suche mir immer Arbeit und sehe es als meinen Dank für alles Glück, dass ich in meinem Leben erfahren habe.“