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Flüchtlingshilfe koordinieren Michael Haas organisiert das Netzwerk für Flüchtlingsarbeit im Erzbistum

18. August 2016 Cornelia Klaebe

Foto: Cornelia Klaebe

In seiner Arbeit ist es ihm wichtig, sich für Migranten einzusetzen. Auf seiner neuen Stelle als Netzwerkkoordinator für Flüchtlingshilfe will Michael Haas vor allem die Gemeinden und Verbände unterstützen und vernetzen. Flüchtlinge trifft er selbst auch noch – das ist dann aber Ehrenamt.
Er ist „Netzwerkkoordinator für Flüchtlingsarbeit“. Was sich hinter diesem etwas sperrigen Titel seiner neuen Stelle verbirgt, findet Michael Haas gerade selbst noch heraus – und zwar guten Mutes und oft mit dem Fahrrad. Denn wichtig ist dem blonden 37-Jährigen am Anfang vor allem Eines: Kontakte knüpfen zu denen, die in der Flüchtlingsarbeit aktiv sind oder es werden wollen. Dafür war er seit dem 1. Juli schon viel in Berlin unterwegs; jetzt will er auch vermehrt nach Brandenburg und Vorpommern zu Gemeinden und Verbänden fahren.

Ungenutzte Potenziale aufdecken

„Ich sehe meine Aufgabe darin, bestehende Angebote für Geflüchtete auf den verschiedenen Ebenen in Verbindung zu bringen und zu stärken“, erklärt der Sozialarbeiter. Außerdem wolle er ungenutzte Potenziale ebenso aufdecken wie noch fehlende Angebote, um Versorgungslücken schließen zu können. „Nach einem Monat ist mir klar: Mein Schwerpunkt liegt auf den Gemeinden und pastoralen Räumen“, betont Haas. Diese könnten sich gern bei ihm melden, um Unterstützung zu erhalten. Beispiele der Vernetzung wären, „dass eine Kirchengemeinde von den Erfahrungen einer anderen profitieren kann, wenn es etwa um die Umsetzung einer Initiative geht“. Ganz praktisch: „Beim Kirchenasyl gibt es Gemeinden, die das schon lange tun und andere, die sich mit dem Gedanken tragen, sich an dieser Stelle zu engagieren, aber gar keine Vorstellung haben von Aufwand und Risiken.“ Helfen will er aber auch in anderen Situationen: „Wenn ein ehrenamtlicher Helferkreis an Mitgliederschwund leidet, weil die Ehrenamtlichen erschöpft sind und die Motivation verlieren.“ Das sei ganz praktisch zu beobachten in den ländlichen Regionen, wo Flüchtlinge zu großen Teilen wegziehen, sobald sie die Anerkennung erhalten haben. „Viele fühlen sich jetzt, wo die mediale Aufmerksamkeit schwindet, nicht mehr wahrgenommen und wertgeschätzt. Andere sind psychisch belastet durch die Geschichten, die sie hautnah erlebt haben.“ In solche Fällen eine Vernetzung mit professionellen Unterstützungsangeboten wie denen der Caritas herzustellen, könne dieser Tendenz entgegenwirken.

Hauptamtler hilft selbst ehrenamtlich
Die Migrantenarbeit ist ein Anliegen von Michael Haas. In diesem Bereich war er zuvor schon bei einem freien Träger im Betreuten Wohnen für chronisch Kranke tätig. Dort arbeitete er auch an der Planung eines betreuten Wohnprojekts für Flüchtlinge mit. Als dies an den Finanzen scheiterte, bewarb er sich auf die Stelle beim Erzbistum. „Privat bin ich in St. Christophorus in Neukölln unterwegs“, erzählt er. Dort sei er ehrenamtlich in der Asylarbeit und in einem Straßenmusikprojekt tätig. Auf die politisch deutschlandweit umstrittene Frage „Schaffen wir das?“ hat der aus Villingen- Schwenningen in Baden-Württemberg stammende Haas eine klare Antwort: „Auf jeden Fall! Deutschland hat noch wesentlich mehr Kapazitäten!“ Viele Menschen hätten Angst, dass ihr Lebensstandard sinken werde, aber Deutschland habe deutlich mehr „Luft nach oben“ als andere Länder, ist der Wahlberliner überzeugt.

Kontakt: 030 / 68 05 70 24 oder michael.haas@erzbistumberlin.de