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Die ganze katholische Weite

20. April 2017 Von Josef Bordat

Foto: Josef Bordat

Die Englischsprachige Gemeinde ist die kulturell vielfältigste unter den ausländischen Missionen in Berlin. In einer Messe mit der Rosenkranz-Gemeinde ging es um einen gemeinsamen Glaubensraum und die Fastenaktion.

Wer einmal die ganze katholische Weite, die Berlin zu bieten hat, miterleben wollte, hatte dazu am Passionssonntag in der Steglitzer Rosenkranz-Basilika eine hervorragende Gelegenheit. Der gemeinsame deutsch-englische Gottesdienst von Gläubigen der Englischsprachigen Mission und der Pfarrei Maria Rosenkranzkönigin (Rosenkranz-Basilika) verband mehrere Anliegen zu einer bunten Liturgie: die Misereoraktion, bei der in diesem Jahr das afrikanische Land Burkina Faso im Zentrum steht, das Thema Weltkirche und die Entwicklung des lokalen Pastoralen Raums im Südwesten Berlins.

Pastoral und liturgisch Brücken schlagen

Der Zelebrant, Pfarrer Dr. Sylvester Ajunwa, leitet die Englischsprachige Mission in Berlin. Keine leichte Aufgabe, gilt es doch, pastoral und liturgisch eine Brücke zu schlagen zwischen angelsächsischer Nüchternheit, asiatischer Zurückhaltung und afrikanischer Lebendigkeit. Die Englischsprachige Gemeinde ist die kulturell vielfältigste unter allen ausländischen Missionen in Berlin: Geschäftsleute, Studenten, Botschaftsangehörige, Asylbewerber und Menschen, die seit Jahrzehnten in Deutschland leben, versammeln sich an verschiedenen Standorten zu englischsprachigen Gottesdiensten.

Sie kommen aus den vielen Ländern der Welt, in denen Englisch die Amtssprache ist, oder zumindest eine der wichtigsten Verkehrssprachen. Pfarrer Ajunwa kommt aus Nigeria und ist seit etwas mehr als einem Jahr in der Stadt. Zuvor war er in seiner Heimat tätig. Zunächst führte ihn seine Promotion in Pastoraltheologie nach Würzburg, dann wirkte er als Seelsorger in verschiedenen Pfarreien, unter anderem in Bad Kissingen.

Als jüngstes von insgesamt zehn Geschwistern wuchs er in einer Familie auf, die Wert legte auf die gute Ausbildung der Kinder. Bildung als Schlüssel zur Überwindung von Armut – diese Einsicht sei im Bewusstsein der Menschen in Afrika angekommen, über die wir hierzulande jedoch nur wenig wissen: „Wir wissen viel darüber, wie die Menschen in Afrika sterben, aber nur weniger darüber, wie sie leben“, zitiert
Pfarrer Ajunwa in seiner Predigt den schwedischen Krimiautor Henning Mankell.

Das Interesse an den Menschen in Afrika sei ebenso wichtig wie die Geldspenden, die die Menschen über Misereor erreicht.

Lebendige Rhythmen mit Keyboard und Trommeln

Wie der Gottesdienst in Afrika gefeiert wird, davon konnte die Gemeinde schon mal eine kleineAhnung bekommen. Ein Chor aus St. Elisabeth (Schöneberg) mit Sängern aus verschiedenen afrikanischen Ländern brachte – unterstützt von Keyboard und Trommeln – lebendige Rhythmen zu Gehör, ungewohnte Klänge erfüllten die prächtige Basilika.

Die heilige Messe war zugleich als fulminanter Start für eine engere Zusammenarbeit im neu gebildeten Pastoralen Raum gedacht, zu dem auch ein Standort der Englischsprachigen Mission gehört. Dr. Dirk Verheyen, Beauftragter für Hilfswerke und Fragen der Weltkirche in der Pfarrei Maria Rosenkranzkönigin, ist von der großen Bedeutung des Brückenbaus zwischen den muttersprachlichen Missionen und den Ortsgemeinden überzeugt: „Wir müssen da dranbleiben, die Anlaufschwierigkeiten überwinden und einen gemeinsamen Glaubensraum bilden“.

Das sei auch Anliegen der Deutschen Bischofskonferenz, die keine „Parallelkirchen“ wolle, sondern eine
Kirche, die gemeinsam Gottesdienst feiere und so den Glauben in den Großstädten stärke, in denen viele katholische Migranten leben. Tatsächlich liegt in der engen Verbindung von Missionen und Pfarreien ein entscheidendes Element für die Kirche der Zukunft. In Berlin ist bereits jetzt jeder vierte Katholik nicht-deutscher Herkunft.

Das Erzbistum gehört zu den wenigen Diözesen in Europa, deren Gläubigenzahl seit Jahren ungebrochen ansteigt – wegen der Menschen, die aus Polen, Kroatien, Italien, Spanien oder Lateinamerika einwandern oder aus einem der Länder, in denen man Englisch spricht.