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Glaubenszeugnis bis zum Tod

14. Juli 2017 Von Cornelia Klaebe

Foto: Cornelia Klaebe

Elf Lebensbilder stellt Prälat Helmut Moll an einem Vortragsabend in Brandenburg an der Havel vor. Am nächsten Abend spricht er in Potsdam, dann in Berlin. Seine Mission: Christliche Zeugen dem Vergessen entreißen.

Bild um Bild heftet der Priester an die Tafel, am Ende des Abends sind es elf. Auf den alten schwarzweiß
Porträts sind Männergesichter zu sehen. Zu jedem sagt Prälat Helmut Moll mindestens einige Sätze: Wie er hieß, woher er kam, was er von Beruf war, und warum er im Zuchthaus Brandenburg-Görden einsaß. Der Prälat ist gekommen, um christliche Glaubenszeugen dem Vergessen zu entreißen.

„Es wäre eine Verkürzung der Geschichte“

Durch ganz Deutschland reist der Geistliche, der früher im Vatikan der Kongregation für die Heiligsprechung angehörte. Jetzt geht es nicht um kanonisierte Heilige, sondern um eine Vielzahl christlicher Bekenner, die im 20. Jahrhundert ihr Leben gelassen haben. „Es wäre eine Verkürzung der Geschichte, wenn wir die Personen vergessen, die sich zu einem Bekenntnis durchgerungen haben“, begründet Moll sein Engagement. Drei Abende hintereinander erzählt er in Brandenburg, Potsdam
und Berlin von Glaubenszeugen, die jeweils vor Ort von Bedeutung waren. Sich gleichen dürfte dabei nur der allgemeine Teil, in dem Moll die Kriterien erklärt, die in allen christlichen Konfessionen die Glaubenszeugen definieren: Sie sind eines gewaltsamen Todes gestorben. Sie haben ein Zeugnis für den christlichen Glauben gegeben. Und sie waren bereit, für diesen christlichen Glauben Nachteile bis hin zum Tod auf sich zu nehmen. Wenn auch diese Merkmale die Glaubenszeugen einen, so unterscheiden sie sich in ihrer Geschichte, im Wesen und der Persönlichkeit. Das merkt man auch an den Männern, die hier in Brandenburg eingesessen haben: Einer, den Moll ausführlicher behandelt und der auch einen hohen Bekanntheitsgrad hat, ist Franz Jägerstätter aus Österreich. Er hat ein uneheliches Kind und drei eheliche, ist Landwirt und Wehrmachtssoldat. Das aber lässt sein Gewissen schließlich nicht mehr zu: „Ist das recht,
wenn ich einem Hitler diene, der Kranke umbringen lässt?“, fragt er sich. Er verweigert den Dienst, kommt dadurch ins Zuchthaus in Görden. „Zu was hat denn Gott alle Menschen mit Verstand und einem freien Willen ausgestattet, wenn blinder Gehorsam genügen würde?“, fragt er in seinem letzten Brief. Am 9. August 1943 wurde Jägerstätter umgebracht.

Suche nach weiteren Glaubenszeugen

Ganz anders die Geschichte des Ordensmanns Otmar Fay. Er war von seiner Gemeinschaft eingesetzt für Kranke und Sieche, als „unproduktiv“ Geltende. Er hat sie gepflegt und für sie Geld in andere Länder transferiert. Wegen „Devisenvergehen“ saß er in Görden ein und wurde 1937 dort umgebracht. Moll ist immer auf der Suche nach weiteren Glaubenszeugen. In der an den Vortrag anschließenden Diskussion nimmt er zahlreiche Hinweise auf. Seinem Ziel, diese Menschen „dem Vergessen zu entreißen“, kommt er wieder einen kleinen Schritt näher.

Buchtipp

1000 Lebensbilder

Die Märtyrergeschichte des 20. Jahrhunderts zu erarbeiten, war ein Anliegen, das Papst Johannes Paul II.
1994 initiierte. Als Teil davon versteht sich dieses Werk: In Zusammenarbeit mit den Bistümern und Ordensgemeinschaften haben 160 Fachleute Lebensbilder von mittlerweile 1000 katholischen Glaubenszeugen erarbeitet.

Helmut Moll (Hrsg.): Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts; 6. Auflage Schöningh 2015; ISBN 978-3-506-78080-5; Preis 100 Euro