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„Hier tobt das Leben“

04. Oktober 2017 Walter Plümpe

Markus Kliem, Pater Manfred Kollig und Lager-Leiter Wolfgang Kunstmann im Zentrallager der Werkstätten. | Foto: Walter Plümpe

Die Berliner Delphin-Werkstätten unterstützen Menschen mit Behinderungen und geben ihnen Arbeit.

Träger der Einrichtung ist der Sozialdienst katholischer Frauen in Berlin.
Kleinteile für Handys werden in Mini-Paletten für Pneumatik-Roboter einsortiert, Tütchen mit Nahrungsergänzungen werden gebündelt und verpackt, Arbeitstaschen für eine Autofirma werden kontrolliert und gerei- nigt, Kosmetikprodukte werden für den Online-Versand abgefüllt und etikettiert. „Hier tobt das Leben“, sagt Markus Kliem, Zweigwerkstattleiter der Delphin-Werkstätten im Gewerbezentrum Pankow. Der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) unterhält die Werkstätten für Menschen mit Handicaps. Diese arbeiten in Gruppen von acht bis zwölf Beschäftigten, in kleinen Arbeitsschritten und stets betreut von einem Gruppenleiter. Generalvikar Pater Manfred Kollig besuchte die rund 120 Beschäftigten in den Montagehallen. Seinen Eindruck bündelte er in einem Spruch: „Mehr drin als du denkst.“

Auch wenn die Arbeit auf den ersten Blick simpel erscheinen mag, gehen viele Behinderte körperlich und geistig an ihre Grenzen, erläutert Kliem. Daher gehen die Betreuer stets respektvoll mit ihren Schützlingen um. Nicht zuletzt dank des christlichen Menschenbildes, das den Delphin-Werkstätten zugrunde liegt. Wird doch der Delphin als Symbol für das Helfen gesehen. Franziskanerbruder Gregor Wagner, dessen Kloster in der Nachbarschaft des Stammhaus für die rund 260 SkF-Beschäftigten liegt, betont: „Hier wird gezeigt, dass jeder Mensch vor Gott gleich und von ihm angenommen ist.“

Grünpflege für den Nuntius

Wenn der Garten der Nuntiatur noch gepflegter erscheint, ist das ein Ergebnis der Abteilung Garten- und Landschaftsbau. Zurzeit ist es der größte Zweig der Delphin- Werkstätten.

Praktikanten und sonstige Freiwillige sind gern gesehen. Wie die Schüler von der Theresienschule bekommen sie einen konkreten Eindruck davon, wie auch minimale Fähigkeiten gefördert und eingesetzt werden können. Was dabei auffällt, ist die große Freundlichkeit und Offenheit, mit der alle einander begegnen. „Wer sollte ihnen eine Chance geben, wenn nicht wir?“, resümiert Pater Kollig.

„Weil wir gute Qualität liefern, ist uns vor der Zukunft nicht bang“, sagt Quereinsteiger Kliem. Manche Arbeiten dauern zwar etwas länger, „Unsere Beschäftigten haben schließlich Handicaps; aber das Ergebnis kann sich immer sehen lassen.“ Stolz ist er auf die Spende von 1030 Euro, die der Generalvikar im Namen der Werkstätten an die Ostafrika-Hilfe von Caritas International weiterreicht.

Praktische Übungen für den „Haushaltsführerschein“, Anleitung zum Schachspielen, Austoben beim Fußball, kreatives Basteln, Imkern in der Gruppe – das sind weitere Angebote der Werkstätten für ihre Mitarbeiter. Toleranz, Wertschätzung und Verständnis sind auch hier die Säulen, die seit über 25 Jahren Menschen mit Behinderung Selbstbewusstsein und Würde geben.

Info: www.skf-berlin.de