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Mit Nikolaus gegen die Armut

07. Dezember 2017 Stefan Förner
Pressesprecher

Mit Nikolaus und Erzbischof vorm Brandenburger Tor: 120 Schüler des Canisius-Kollegs präsentieren ihre Forderungen gegen Kinderarmut. | Foto: Alfred Herrmann

120 Schüler des Canisius-Kollegs waren dabei, als das Bonifatiuswerk seine bundesweite Aktion „Weihnachtsmannfreie Zone“ in Berlin eröffnete. Sie überreichten dabei Forderungen gegen Kinderarmut.

„Ich habe überlegt, über was sich Kinder freuen.“ Caluna hält stolz ihre beiden roten Nikolaus-Socken in die Höhe. Darin „eine Zuckerstange, Nüsse, ein Radiergummi, Shampoo, ein Spinner und Engel aus Schokolade“, all das, was auch der 10-Jährigen gefällt. Später steckt sie die prallen Strümpfe voll Freude in den großen braunen Sack, den ihr Caritasdirektorin Ulrike Kostka entgegenstreckt. Caluna ist gemeinsam mit Mitschülern des Berliner Canisius- Kollegs in die bayerische Landesvertretung gekommen, um bei der Eröffnung der bundesweiten Aktion „Weihnachtsmannfreie Zone“ des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken dabei zu sein. Das Spendenhilfswerk verbindet mit seiner diesjährigen Nikolausaktion einen deutlichen Appell gegen Kinderarmut.

Jedes fünfte Kind in Deutschland lebe in Armut oder an der Grenze zur Armut, fand Monsignore Georg Austen, Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, deutliche Worte. „Gerade für ein wirtschaftlich so erfolgreiches Land wie Deutschland ist dies eine traurige Bilanz“, appellierte Austen, arme Kinder stärker zu unterstützen, „denn Kinder können sich nicht selbst aus Armut befreien. Wer als Kind arm ist, bleibt es oft auch.“

Forderungen an Politik, Kirche und Gesellschaft

Die 120 Fünftklässler haben daher nicht nur zahlreiche Nikolaus- Socken für bedürftige Kinder mitgebracht, sondern auch deutliche Forderungen an Politik, Kirche und Gesellschaft formuliert. „Wir wünschen uns guten Unterricht und Bildung“, „Angemessene Unterkünfte für Kinder“, „Bitte finden Sie in den Kirchengemeinden Freiwillige, die mit den armen Kindern lernen“, „Besondere Fürsorge für allein geflüchtete Kinder“, heißt es auf den Plakaten, die die Mädchen und Jungen in ihrem Religionsunterricht gestaltet haben. In der bayerischen Landesvertretung konfrontierten sie damit den Vorsitzenden der Kinderkommission des Deutschen Bundestags, Eckhard Pols, sowie den Vorsitzenden der Familienkommission der Deutschen Bischofskonferenz, Berlins Erzbischof Heiner Koch, und auch die Sängerin Maite Kelly.

Erzbischof Koch erinnerte daran, dass der heilige Nikolaus – im Gegensatz zum Weihnachtsmann – ein Vorbild sei. Von den Legenden, die sich um das Leben des Heiligen ranken, könne man sich auch heute inspirieren lassen, insbesondere mit Blick auf den Kampf für Kinderrechte und gegen Kinderarmut. „Bischof Nikolaus hat den Menschen Freundschaft und Liebe geschenkt und hat geholfen, wo er konnte. Er wusste: ,Ich muss lieben, damit die Leute verstehen: Gott liebt uns, Gott hat ein Herz für uns.‘“ Als moderne Figur bezeichnete der Bundestagsabgeordnete Pols den Heiligen aus Myra, „von der wir lernen können, was Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Solidarität heißt“.

Auf die Frage der Schüler, wie Armut entstehe, nannte er Arbeitslosigkeit und Bildungsungerechtigkeit. „Wenn Eltern nicht mehr den Lebensunterhalt für ihre Familie erwirtschaften können, müssen wir etwas dagegen tun“, meinte der CDU-Politiker. Für Kinder gebe es vor allem einen Ausweg aus dem Teufelskreis der Armut: „Bildung, das ist der erste und wichtigste Schritt“.

Kostka: Arme Kinder nicht ausgrenzen

Maite Kelly, Patin der Nikolausaktion des Bonifatiuswerkes, empfahl, armen Menschen Zeit zu schenken und zuzuhören, um sie aus ihrer Trostlosigkeit führen zu können. „Wer sich selbst als würdevoll empfindet, darf diese Würde nicht anderen verwehren“, meinte Kelly. Bevor Caritasdirektorin Kostka die prall gefüllten Nikolaussocken von Caluna und ihren Mitschülern dankbar entgegennahm, rief sie die Fünftklässler dazu auf, ihre armen Altersgenossen nicht auszugrenzen, sondern auf sie zuzugehen und Freundschaften zu schließen. „Häufig schämen sich arme Kinder für ihre Armut. Sie ziehen sich zurück und sind alleine. Sie brauchen Freunde!“

www.weihnachtsmannfreie-zone.de