Wo Glauben vor Ort Raum gewinnt

Erste DienstbesprechungLeiter der Pastoralen Räume treffen sich mit Erzbischof Koch und Vertretern des Ordinariats

19. Oktober 2017 Alfred Herrmann

Auch Weihbischof Matthias Heinrich kam zur Dienstbesprechung. Foto: Herrmann

Die Tische in Saal drei der Katholischen Akademie bildeten ein großes Quadrat, um sämtliche Teilnehmer der Gesprächsrunde an diesem Nachmittag zu fassen. Erzbischof Heiner Koch lud zur ersten Dienstbesprechung der Leiter der Entwicklungsphase. Künftig soll diese Runde dreimal im Jahr tagen.

Von Pfarrer Andreas Sommer aus Stralsund zu Pfarrer Alfredo Nava Mediavilla aus Königs Wusterhausen, von Pater Theo Wenzel aus Frankfurt (Oder) zu Dekan Michael Ritschel aus Neuruppin: sämtliche Leiter der Entwicklungsphase aus allen zurzeit 22 Pastoralen Räumen sowie der Leitende Pfarrer der ersten neuen Pfarrei St. Franziskus (Reinickendorf-Nord) waren eingeladen. Sie kommen in dieser neuen Runde mit der Bistumsleitung wie auch mit sämtlichen Leiterinnen und Leitern der Dezernate und Abteilungen des Erzbischöflichen Ordinariats, einem Vertreter der Direktorin des Caritasverbandes sowie mit dem Team der Stabsstelle zusammen.

Die neue Dienstbesprechung dient dem Informationsaustausch im Pastoralen Prozess. Ganz deutlich zeigt sich in dieser großen Runde: „Wo Glauben Raum gewinnt“ betrifft das Erzbistum auf allen Ebenen. Auf kurzem Weg, im Miteinander sollen in der Dienstbesprechung Pastorale Räume und die Leitung des Erzbistums sowie die leitenden Personen des Erzbischöflichen Ordinariats und der Caritas über den Stand im Pastoralen Prozess miteinander ins Gespräch kommen. Die Dienstbesprechung, erklärte Generalvikar Kollig zu Beginn, soll Verbindendes und Verbindliches erarbeiten, woran sich alle Beteiligten der Runde messen lassen müssen.

Es lag an Erzbischof Koch, den vierstündigen Austausch mit einem geistlichen Impuls zu eröffnen. Er las das Tagesevangelium, ein Text aus dem Lukasevangelium (10,1-9), und legt es aus. „,Das Reich Gottes ist nahe‘, diese Botschaft, die wir den Menschen bringen sollen, ist keine Verheißung, die irgendwann mal in weiter Ferne eintrifft, sondern eine Aussage, die deutlich macht: Gott ist da und zwar hier und jetzt, egal was man gerade tut.“

Leitmotiv „Communio“

Auf der Tagesordnung des Treffens stand die Aussprache über die drei Papiere, die das Erzbistum in den vergangenen Wochen verbreitet hat: die zentralen „Leitgedanken“ sowie die Dokumente „Pfarrei, Gemeinde und Orte kirchlichen Lebens im Kontext der einen Kirche“ und „Grundlagen für den Dienst und Einsatz von Priestern als Pfarrer, Pfarrvikar und Kaplan im Erzbistum Berlin“.

Die beiden Papiere zu Pfarrei und Gemeinde und zu Pfarrer und Pfarrvikar reagierten auf Fragen, die vor Ort immer wieder gestellt wurden: „Wie ist das Verhältnis von Pfarrei und Gemeinden? Wie selbständig sind Gemeinden? Was sind die Aufgaben der Priester?“, sprach Generalvikar Kollig über die Entstehung der Dokumente. Die Leitgedanken resultierten, so der Generalvikar, aus der übergeordneten Frage, die sich der Leitungskonferenz des Erzbistums während der Bearbeitung der Sachfragen stellte: „Was leitet uns eigentlich? Gibt es etwas, bei dem wir sagen: das ist der Geist, aus dem wir handeln wollen?“ Die Antwort steht in den Leitgedanken, konkretisiert im neuen Leitmotiv für das Erzbistum Berlin: der „Communio“.

Die „Leitgedanken“ nehme die Realität des Erzbistums in den Blick, die Vielfalt, wie sie in kaum einem anderen Bistum in Deutschland zu finden sei, erläuterte Generalvikar Kollig das Grundsatzpapier. Daraus ergebe sich der Auftrag für alle Ebenen des Erzbistums, Vielfalt zuzulassen und zugleich Einheit zu ermöglichen, ein Auftrag, der im Geist der „Communio“ erfüllbar werde. „Communio“, das sei die Gemeinschaft, die Gott stifte, ein beziehungsstarker Gott, der sich in seiner Liebe ausstrecke nach den Menschen, um mit ihnen Beziehung einzugehen, der durch sein Wirken im einzelnen Menschen ermögliche, dass dieser selbst und somit auch die Kirche beziehungsstark werden könne.

Die „Communio“, so Generalvikar Kollig, stehe für eine Gemeinschaft, in die man von Gott hineingenommen werde. Diese Gemeinschaft wähle sich keiner selbst, vielmehr ähnele der Situation in einer Familie, in die man hineingeboren werde und hineinwachse und in der man füreinander da sei. Wie „Communio“ zu leben ist? Als Sendung in Gemeinschaft, als Sendung in der jeweiligen Alltagsrealität, als Fördern der Charismen aller Getauften. Zum Schluss unterstrich Generalvikar Kollig, dass die „Leitgedanken“ einen zentralen Stellenwert besitzen sollen: es gelte alle weiteren Schritte an ihnen zu messen: inwieweit fördert ein Schritt den Weg der „Communio“ oder inwieweit behindert er diesen.

Vor Ort gestalten

Erzbischof Koch betonte, dass die drei Papiere einen Rahmen abstecken, der große Gestaltungsräume eröffnet. Diese mit Leben zu füllen, das liege nun an den Pastoralen Räumen selbst. Zentrale Lösungen könne es nicht geben, da die Realitäten im Erzbistum viel zu unterschiedlich seien, sich in Frankfurt (Oder) die Situation anders als in Kreuzberg darstelle. Es brauche daher verschiedenartige Wege, die nur vor Ort entwickelt werden könnten. Er mahnte dabei den Respekt vor dem Gewachsenen an. Allerdings habe sich auch das Gewachsene dem Miteinander mit den anderen zu stellen und nicht der Versuchung zu erliegen, sich mit dem Verweis auf das Gewachsensein in einen Schlupfwinkel zurückzuziehen.

In einem weiteren Tagesordnungspunkt beschäftigten sich die Teilnehmer mit der Entwicklung von Pastoralkonzepten sowie den zentralen Workshops, die die Arbeit vor Ort unterstützen sollen. Wichtig sei es, so die Empfehlung in der Runde, in Pastoralkonzepten nicht allein eine Vision festzuschreiben, die sich gut lese, aber letztendlich nach dem Prozess nur im Schrank verschwinde. Es gelte stets auch die ersten konkreten Schritte festlegen, die zu gehen sind. Das Pastoralkonzept sei nicht für die Ewigkeit geschrieben, sondern es solle regelmäßig überprüft und fortgeschrieben werden. Zu hohe Ziele, die nicht erreichbar seien, hieß es auch auf der Tagung, wirkten frustrierend, da der Erfolg nicht spürbar werden könne. Daher solle man sich machbare Ziele setzen, ruhig auch mit dem Mut, scheitern zu dürfen.