Aufarbeitung sexueller Gewalt

Ein Gutachten und die nächsten Schritte

Das Gutachten „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich des Erzbistums Berlin seit 1946“ war vom Erzbistum Berlin im November 2018 im Anschluss an die Veröffentlichungen der sog. „MHG-Studie“ beauftragt worden. Es behandelt die im Erzbistum Berlin aktenkundigen Vorwürfe gegen Kleriker zwischen 1946 und 2020. Dabei handelt es sich überwiegend um im (Erz-)Bistum inkardinierte Priester, teilweise auch um Ordenspriester, die im Bereich des (Erz-)Bistums tätig waren. In diesem Zeitraum sind bisher insgesamt gegen 61 Beschuldigte Vorwürfe im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch aktenkundig geworden.

Das Gutachten stellt nicht den Abschluss der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals im Erzbistum Berlin dar, sondern soll dazu beitragen, aus den Erkenntnissen über die Vergangenheit weitere Schlussfolgerungen für den zukünftigen Umgang mit sexuellem Kindesmissbrauch im Bereich der katholischen Kirche zu ziehen und erkannte strukturelle Defizite zu minimieren. Das Gutachten wird darüber hinaus Anlass dafür sein zu erforschen, ob es über die bisher bekannten Fälle sexuellen Missbrauchs an Kindern und Schutzbefohlenen im Bereich des Erzbistums Berlin weitere Fälle gibt, die bisher nicht aktenkundig geworden sind.

Bei der Veröffentlichung des zusammenfassenden Inhalts der Personalakten wurde große Sorgfalt darauf gelegt, dass Betroffene nicht erkennbar sind. Dennoch kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Schilderung der Fälle bei ihnen eine erneute Traumatisierung auslöst. 

Zum Gutachten (Stand 23. August 2021*)

Teil C geschwärzt (Stand 10. September 2021*)

*Die in der aktuellen Version dieses Gutachtens vom 23.8. und 10.9.2021 vorgenommenen zusätzlichen Schwärzungen und Korrekturen sind Resultat einer weiteren internen Bewertung und erfolgen ohne Anerkennung einer Rechtspflicht.


Die MHG-Studie

„Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“

Erzbischof Koch zu Bedeutung und Konsequenzen der Studie für das Erzbistum Berlin

"(...) Ich bin tief traurig, dass ich geschehenes und gesehenes Leid nicht ungeschehen machen und Wunden nicht heilen kann. Hilflos stehe ich dem gegenüber, dass Menschen an ihrer Kirche verzweifeln. Ich empfinde Scham, dass Taten verschleiert und Täter nicht angemessen zur Rechenschaft gezogen wurden, dass das Ansehen der Kirche über den Schutz der Opfer gestellt wurde. Dafür bitte ich die Betroffenen um Entschuldigung (...)" weiterlesen

Zur Studie

Die Gutachten-Kommission

Der Teil C des Gutachtens, „Zusammenfassender Inhalt der Personalakten beschuldigter Kleriker im (Erz-)Bistum Berlin seit 1946 in zeitlicher Reihenfolge der Zeiträume der Beschuldigungen“, der neben der Darstellung der konkreten Beschuldigungen auch die personenbezogenen Daten der Beschuldigten enthält und zudem möglicherweise auch Rückschlüsse auf die Identität der im Gutachten anonymisierten Betroffenen zulassen könnte, wurde aus Gründen des Persönlichkeitsrechtsschutzes, der Gefahr der Retraumatisierung der Betroffenen und um eine voyeuristische Darstellung zu vermeiden, teilweise geschwärzt. Er dient der Fortführung der innerkirchlichen Aufklärungs- und Aufarbeitungsbemühungen im Erzbistum.

Dafür hat das Erzbistum Berlin eine „Gutachten-Kommission“ einberufen.

Entsandt vom Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Berlin sind:

  • Johanna Jungbluth, Mitglied im Berliner BDKJ-Vorstand
  • Kristin Wedekind
  • Daniel Schade

Entsandt vom Priesterrat im Erzbistum Berlin sind:

  • Msgr. Winfried Onizazuk, Pfarrer von St. Mauritius im Pastoralen Raum Berlin Friedrichshain-Lichtenberg
  • Martin Kalinowski, Pfarrer von Heilige Drei Könige Nord-Neukölln
  • Johannes Schaan, Pfarrer St. Bernhard Stralsund/Rügen/Demmin

Arbeitsbericht Phase I (22. Juni 2021)


Unabhängige Aufarbeitungskommission

Derzeit entstehen – gemäß dem Beschluss der Deutschen Bischofskonferenz – eine unabhängige Aufarbeitungskommission sowie ein Betroffenenbeirat, gemeinsam mit den Bistümern Dresden-Meißen, Görlitz und der Katholischen Militärseelsorge.