Deutsch-polnische Lichterprozession für Johannes Paul II.600 Menschen feiern an der Grenze gemeinsam den neuen Heiligen

Foto: Walter Wetzler

Görlitz (KNA) Mit flackernden Kerzen zieht die Prozession die Daszynskistraße entlang. Der Rosenkranz ist zu hören, als es an Zigarettenläden, Restaurants und einem Rotlicht-Etablissement vorbei geht. Rund 600 Menschen haben sich am Samstagabend auf der Altstadtbrücke in der Europastadt Görlitz/Zgorzelec versammelt.

Auch viele Geistliche aus beiden Teilen der Stadt sind gekommen, darunter der Görlitzer katholische Bischof Wolfgang Ipolt. Der evangelische Generalsuperintendent Martin Herche hält ebenso eine Kerze in den Händen wie der emeritierte katholische Erzbischof von Hamburg, Werner Thissen. "Wenn ich nicht in Rom sein kann, dann ist der beste Ort Görlitz. Hier führt die Brücke, die den Namen Johannes Paul II. trägt, über die Neiße", sagt Erzbischof Thissen.

Er sei bei dieser Vigilfeier, die Deutsche und Polen gemeinsam begehen, gerne dabei, betont Thissen. "Ich freue mich, dass das Gedächtnis an Papst Johannes Paul II. hier so lebendig ist." Bischof Ipolt hebt die Bedeutung von Papst Johannes Paul II. für Görlitz und die Grenzregion hervor: "Hier ist eine Nahtstelle zwischen zwei Völkern und auch zwischen zwei Weisen zu glauben. Als erster polnischer Papst hat Johannes Paul II. auch uns gezeigt, wie Polen glauben. Das haben wir in dieser Lichterprozession heute gemeinsam praktiziert."

Der Weg führt auf der polnischen Seite der Neiße von der Altstadtbrücke zur Görlitzer Stadtbrücke. Der wichtigste innerstädtische Übergang über den Grenzfluss trägt seit 2006 offiziell den Namen des verstorbenen Papstes Johannes Paul II. Zwei Marmorplatten an den Brückenköpfen erinnern auf deutsch und polnisch an den Pontifex. An einer Station werden Texte von Johannes Paul II. in beiden Sprachen vorgetragen.

Vorbereitet hat die Lichterprozession Norbert Joklitschke, der Pfarrer der Stadtpfarrei Heiliger Wenzel in Görlitz. Gemeinsam mit dem Zgorzelecer Dekan Maciej Wesolowski hat er die Vigil am Vorabend der Heiligsprechung von Papst Jan Pawel II., wie Johannes Paul II. auf polnisch heißt, geplant. "Wir hoffen, dass die 600 Kerzen reichen", sagt Joklitschke kurz vor der Prozession und betont: "Als polnischer Papst hat Johannes Paul II. für uns in der Europastadt Görlitz/Zgorzelec und im Brückenbistum Görlitz natürlich eine besondere Bedeutung. Er hat Brücken zwischen Ost und West geschlagen."

Die Initiative zur grenzüberschreitenden Gedächtnisfeier für den verstorbenen Papst sei von Bischof Ipolt ausgegangen, sagt Joklitschke. Im deutsch-polnischen Konvent, in dem sich Geistliche aus beiden Teilen der Stadt austauschen, sei dann beraten worden, wie man die Heiligsprechung des polnischen Papstes in der Grenzregion feiern könne. An der Vigil haben auch die Teilnehmer einer Fußwallfahrt teilgenommen, die anlässlich der Heiligsprechung stattgefunden hat. Die Pilger sind dabei rund 100 Kilometer vom schlesischen Wallfahrtsort Grüssau (Krzeszow) bis in die Europastadt Görlitz/Zgorzelec gelaufen.