Eckhard von Garnier60 Jahre im Dienst der Musica Sacra

Am Ostersonntag begeht der über das Erzbistum Berlin hinaus bekannte und geachtete Kirchenmusiker an der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum, Eckhard von Garnier, ein ungewöhnliches Jubiläum: 60 Jahre kirchenmusikalisches Wirken, davon seit Einweihung der Kirche 1963 als Gedenkkirche der deutschen Katholiken dortselbst 54 Jahre, seit 13 Jahren als Ruheständler. Nur wenigen ist so eine langjährige berufliche Wirkungszeit geschenkt.

Nach frühem Klavier- und Orgelunterricht trat Eckhard von Garnier sein kirchenmusikalisches Studium an, zunächst in Augsburg (1. Anstellung dort 1957), ab 1958 in Berlin, wo Prof. Joseph Ahrens (Orgel und Orgelimprovisation), Prof. Karl Schuke (Orgelbau) sowie der damals führende Bachforscher Prof. Dr. Friedrich Smend (Musikgeschichte) seine prägenden Lehrer waren. In Regina Martyrum sah sich von Garnier vor spannende und vielfältige Aufgaben gestellt, war doch die Gedenkkirche in den ersten Jahren auch Pfarrkirche des neu errichteten Wohnquartiers Charlottenburg-Nord, das ganz auf die nahe gelegene Gedenkstätte Plötzensee ausgerichtet war. Straßennamen erinnern noch heute an im 3. Reich hingerichtete Widerstandskämpfer: Alfred Delp, Richard Teichgräber, Adolf Reichwein, Franz Leuninger, seit 1996 Bernhard Lichtenberg u.a.

Unter dem 1. Pfarrer Adalbert Bunge entstand rasch eine junge, engagierte und sehr aktive Gründergemeinde, die von Garnier für sein kirchenmusikalisches Wirken ein ideales Betätigungsfeld bot. Der Unterzeichnete erinnert sich an eine legendäre Aufführung der Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach am Karfreitag 1979 in der liturgischen Form der Bachzeit: Zwischen 1. und 2. Passionsteil wurde wie 1727 die Predigt zum Karfreitag gehalten; Pfarrer Peter-Rembert Kloss als Liturge leitete sie mit wortgewaltigem Ausruf ein: „Dies ist kein Konzert, dies ist ein Gottesdienst!“-  der RIAS übertrug diese Aufführung live im Rundfunk.

Ein neuer Abschnitt entstand 1982, als auf Bitten von Kardinal Bengsch ein Karmelitinnen-Kloster mit Schwestern  aus Dachau gegründet wurde. Schließlich wurde in einer dritten Phase die Kirche aus dem Pfarrverband herausgelöst und ist seither Rektoratskirche unter jesuitischer Leitung. Während all dieser Veränderungen war von Garnier immer daran gelegen, klassische Kirchenmusik exemplarisch zu präsentieren. Im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten zum 50. Bestehen der Gedenkkirche 2013 zog er als Ruheständler ohne Rücksicht auf Alter und Gesundheit noch einmal alle Register mit (Wieder-)Aufführungen der Bachschen Matthäuspassion, der Krönungsmesse von Mozart und als fulminantem Höhepunkt Bruckners Te Deum. All diese großen Werke hatten im Lauf seines Wirkens in Regina Martyrum immer wieder auf dem Programm gestanden. Und das kennzeichnet Eckhard von Garniers kirchenmusikalische Prägung: Dem künstlerischen Vermächtnis dieser drei Größ(t)en war und ist er kompromisslos verpflichtet, sein Orgelrepertoire – durchaus auch mit Werken der Romantik und des 20. Jahrhunderts (Mendelssohn, César Franck bis hin natürlich zu Joseph Ahrens und Olivier Messiaen) war breit.

Aber seine Tätigkeit und sein Einfluss gingen über sein kirchenmusikalisches Wirken an Regina Martyrum weit hinaus. Er war ein angesehener und erfolgreicher Orgellehrer, seit 1974 über viele Jahre Dozent an der Bischöflichen Kirchenmusikschule. Ebenso bedeutsam war auch seine langjährige Tätigkeit als Orgelsachverständiger, anders als heute im Dienstverhältnis des Bistums, mit über 100 von ihm betreuten Orgel-neubauten, -umbauten und  -restaurierungen. Auch im Ruhestand kümmert er sich weiterhin um außergewöhnliche Projekte, so z.B. um die von ihm gerettete letzte erhaltene Orgel des bedeutenden Orgelbauers Carl August Buchholz von 1832.

Das Erzbistum Berlin schuldet Herrn Eckhard von Garnier Dank und Anerkennung für seine kirchenmusikalische Tätigkeit. Mit seinem Können und seinem liturgisch-künstlerischen Einfühlungsvermögen hat er der Gedenkkirche an seiner von ihm geliebten und betreuten 3-manualigen Klais-Orgel ein herausragendes kirchenmusikalisches Profil gegeben, das Sonntag für Sonntag und an besonderen Veranstaltungen eine große Gottesdienstgemeinde anzieht.

Im Namen der Kollegenschaft: Danke, verehrter, lieber Eckhard von Garnier für ein großes kirchenmusikalisches Leben im Dienst an der Musica Sacra und: ad multos annos!

Martin Ludwig, Leiter des Referates Kirchenmusik