Eine Ära geht zu Ende Franziskanerinnen verabschieden sich aus dem Franziskus-Krankenhaus

Erzbischof Dr. Heiner Koch feiert in der Kapelle des Franziskus-Krankenhauses Berlin den Gottesdienst zur Verabschiedung des Konvents der Franziskanerinnen vom Heiligen Martyrer Georg zu Thuine, Foto: Manuel Tennert

Die Franziskanerinnen vom Heiligen Martyrer Georg zu Thuine beim Abschiedsgottesdienst mit Erzbischof Dr. Heiner Koch in der Kapelle des Franziskus-Krankenhauses, Foto: Manuel Tennert

Nach fast 115 Jahren schließt der Konvent der Franziskanerinnen vom Heiligen Märtyrer Georg zu Thuine im Franziskus-Krankenhaus Berlin (FKH). Heute fand die feierliche Verabschiedung im Beisein von Erzbischof Dr. Heiner Koch in der Kapelle und auf der Dachterrasse des Krankenhauses statt.

»Ein großes Dankeschön für ihren unermüdlichen Einsatz«

Wir können den Ordensschwestern gar nicht genug danken für ihren unermüdlichen Einsatz als Hüterinnen unseres Hauses, als erfahrene Pflegefachfrauen und christliche Seelsorgerinnen, die allen Menschen offen gegenüberstanden«, sagte Matthias Schwarz, Kaufmännischer Leiter des FKH. »Sie haben unser Krankenhaus mehr als ein Jahrhundert lang durch turbulente, oft schlimme Zeiten begleitet, in den ersten Jahrzehnten sogar geführt. Vor allem in den entbehrungsreichen Kriegsjahren haben die Franziskanerinnen sich immer wieder in christlicher Nächstenliebe und Gottvertrauen heldenhaft vor die Kranken und Schutzbedürftigen gestellt. Dieser Geist hat unser Haus geprägt – und wird es auch in Zukunft tun.«

Gründerinnen, Pflegefachfrauen, Seelsorgerinnen

Als ausgebildete Krankenpflegerinnen gründeten die Ordensschwestern das FKH 1908 mit. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es ein Haus der allgemeinen Regelversorgung mit insgesamt 185 Betten. Heute hat noch etwa die Hälfte der Mitarbeitenden einen christlichen Hintergrund. Das Motto des Hauses »Pax et bonum – Der Friede und das Gute« ist handlungsleitend für das Miteinander der Kolleginnen und Kollegen, aber auch für den Umgang mit Erkrankten: Persönliche Zuwendung und der aufmerksame Blick auf den ganzen Menschen sind genauso wesentlich wie Spitzenmedizin und exzellente Pflege.

In letzter Zeit standen die Ordensfrauen vor allem als Seelsorgerinnen mit offenem Herzen und unbürokratischem Handeln Menschen in Not zur Seite: Seien es Obdachlose, die neue Kleidung brauchten, Mitarbeitende, die um Rat fragten oder Angehörige, die ihre Sorgen teilen wollten. Außerdem luden die Schwestern regelmäßig zu ihren Andachten und Gottesdiensten in die Krankenhauskapelle ein.
Sorgfältiger Entschluss

Die Entscheidung, den Konvent zu schließen, hat der Provinzrat der Ordensgemeinschaft mit Zustimmung des Generalrates nach sorgfältigem Abwägen getroffen. Hintergrund sind die seit längerem rückläufigen Berufungen in die Ordensgemeinschaft. Offiziell wird der Konvent erst zum 31. März 2023 aufgelöst; aus organisatorischen Gründen hat die Verabschiedung bereits heute stattgefunden. Die bisherige Konventsoberin, Sr. M. Emanuele, wird ab November 2022 ein Alten- und Pflegeheim der Ordensgemeinschaft leiten.

Christliche Werte im Alltag leben

Um an das Wirken der Franziskanerinnen zu erinnern, bleiben ausgewählte Zeugnisse des Ordenslebens, etwa Messgewänder und -geschirr, aber auch Kunstgegenstände als Dauerleihgaben vor Ort im Krankenhaus.

Bei der Ausgestaltung von Andachten und Gottesdiensten sowie bei der Begleitung von Menschen in Ausnahmesituationen wird das Seelsorge-Team in Zukunft eine noch wichtigere Rolle spielen als bisher. Matthias Schwarz: »Und es kommt auf uns alle an, die christlichen Werte im Alltag zu leben und so den besonderen Geist unseres Krankenhauses spürbar zu machen.«