Erzbischof Koch in MoskauErzbischof Koch für mehr Austausch zwischen Deutschen und Russen

Totengedenken (Fotos: DBK)

Erzbischof Koch beim Kickern in der Wohnung der evangelischen deutschen Pfarrerin der Emmaus-Gemeinde, Alonja Hofmann, die zum Frühstück eingeladen hatte.

Überreichung einer Hedwigs-Medaille an den katholischen Erzbischof Paolo Pezzi am Freitagvormittag

Moskau/Berlin (KNA). Der Berliner Erzbischof Heiner Koch hat sich für mehr Gesprächskontakte zwischen Deutschen und Russen ausgesprochen. Nach einer fünftägigen Moskaureise nannte er es am Montag im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) "bedrückend", wie unterschiedlich seine russischen Gesprächspartner etwa den Syrien-Konflikt bewerteten. "Wir müssen deswegen in einen stärkeren Austausch kommen", so der scheidende "Auslandsbischof" der Deutschen Bischofskonferenz.

Seine Gesprächspartner hätten die Auffassung vertreten, dass die Christen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad unterstützen müssten, wenn sie für das Überleben der orientalischen Christen in dem Land seien, sagte Koch. Sie könnten den Vorwurf des Westens nicht verstehen, der russische Putin sei wegen des russischen Engagements in Syrien ein Kriegstreiber.

Eine andere Sicht im Vergleich zum Westen gebe es auch mit Blick auf den künftigen US-Präsidenten, erklärte der Erzbischof. Er sei "keinem Russen begegnet, der nicht froh war, dass Donald Trump gewählt wurde". Ein Sieg von Hillary Clinton hätte das Gegeneinander nach deren Meinung noch verstärkt. "Sie erhoffen sich von Trump eine deutliche Entspannung der Lage zwischen den USA und ihrem Land", berichtete Koch.

Der Erzbischof hob nach seinen Begegnungen unter anderem mit Vertretern der orthodoxen Kirche hervor, "wie wichtig die Begegnung zwischen Papst Franziskus und dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. im Februar in Havanna war". Der Wunsch bei seinen orthodoxen Gesprächspartnern sei groß, "dass die Kontakte auf allen kirchlichen Ebenen intensiv bleiben". Dies gelte gerade für Zeiten, in denen es politisch kälter geworden sei. "Ich habe im Gespräch mit vielen Russen gemerkt, wie groß ihre Sorge ist, dass die politische Kälte das eigentlich gute Verhältnis zwischen Deutschen und Russen beeinträchtigt", sagte Koch.

Der Berliner Erzbischof besuchte bei seinem Moskaubesuch unter anderem die deutschsprachige katholische Gemeinde und Einrichtungen, die das Osteuropa-Hilfswerk Renovabis fördert. Es war Kochs letzte Reise als Beauftragter der Bischofskonferenz für die Auslandsseelsorge. Diese Aufgabe übernimmt der Paderborner Weihbischof Matthias König. Koch bleibt "Renovabis-Bischof" der Bischofskonferenz.

 

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