Es ist leer!

Wir kennen in den letzten Tagen und Wochen leere Straßen und Plätze, leere Fußballstadien, leere Theater, leere Schulen, leere U- und S-Bahnen, leere Restaurants … und inzwischen leider auch leere Kirchen (auch zu den Kar- und Osterliturgien)  sehr gut. Unsere Erfahrung beschreibt einen Mangel: „Da fehlt etwas“. Zum einen begegnen uns leere Regale in Supermärkten, zum anderen fehlen uns alltägliche Gewohnheiten wie z.B. das Zusammenkommen mit anderen, die Zuschauer und Zuschauerinnen, die mitfiebern oder sich unterhalten lassen wollen, oder auch die Schülerinnen und Schüler, die Lehrerinnen und Lehrer, die in normalen Zeiten einen Großteil ihres Lebens in den Schulen verbringen und ganz besonders die „Communio“ in den Gottesdiensten.

Die Leere steht auch im Mittelpunkt der Ostererzählung. Das Grab ist leer, das ist die Erfahrung, die die Frauen und Männer, die sich zu Lebzeiten um Jesus geschart hatten, am Ostersonntagmorgen machen.
In der Osternacht feiern wir die Leere, das „Nichtvorhandensein“ des Leichnams Jesu. In einem leeren Raum ist nichts, das Nichts. Als ich zum Fotografieren in die Eingangshalle des Flughafens Tegel ging, war die Leere, der ich begegnete, schon sehr bedrückend, unnatürlich, fast beängstigend. Aber in der Osternacht, in der Dramaturgie der Passionszeit steht dieses Nichts für den zweiten Tief- oder Wendepunkt nach dem Karfreitag. Nach dem Tod Jesu am Kreuz ist dann sein Leichnam verschwunden. Im Johannesevangelium bleibt es zunächst offen, was mit diesem geschehen ist. Und dennoch, es ist der Ostermorgen, die Sonne erhebt sich und dank des Engels, der im Matthäusevangelium diese Tiefe wegnimmt, ist schon die Wende zum Guten zu erahnen.

Es geht nicht länger um die Leere, sondern um die Fülle, die Erfüllung, um Auferstehung, um neues Leben, das sich in diesen Frühlingstagen auch in der Natur bahnbricht. Eine neue Lebendigkeit, die sich die Jünger Jesu am Karfreitag nicht vorstellen konnten. So schnell geht das! Und diese Hoffnung ist die Mitte unseres Glaubens, Hoffnung auf neues Leben. Gerade in diesen Tagen, wo uns die Hoffnung auf eine baldige Normalisierung des alltäglichen Lebens umtreibt, wird deutlich, dass es bei Ostern um viel mehr geht: um die Erfüllung des Lebens. „Damit sie das Leben in Fülle haben“.

Mathias Bröckl ist Schulrat und im Erzbistum Berlin im Bereich Bildung für den Religionsunterricht zuständig.