Lebenswenden auf der BühneDie Potsdamer Gemeinde Sankt Peter und Paul begeistert mit Theaterstück

Foto: Phil Lucsok

Mit zwei ausverkauften Vorstellungen hatte am Wochenende das Theaterstück „Wenn möglich, bitte wenden!“ im Treffpunkt Freizeit Premiere. Das Laien-Ensemble der Katholischen Gemeinde Sankt Peter und Paul mit insgesamt 50 Erwachensen, Kindern und Jugendlichen erhielt von den mehr als 400 Zuschauern mehrfach Szenenapplaus und kam nicht ohne eine Zugabe von der Bühne.

Die fünf selbstgeschriebenen Theaterstücke zum Thema „Lebenswenden“ führten das Publikum durch Beziehungskonflikte, Lebenskrisen und deren Verwandlungschancen. Vermittelt wurden die Botschaften nicht nur von Schauspielern, sondern auch von Sängern, einem Chor, einer Band und einer Tänzerin.

Besonders beeindruckend war das Stück „Gefängnis“. Geschrieben hat es Annette Edenhofer nach einer wahren Begebenheit. Der 15-jährige Hermann Schlüter war 1946 auf dem Potsdamer Schulhof ohne Schuld willkürlich verhaftet und zum Tode verurteilt wurden. Er saß unter anderem in dem berüchtigten KGB-Gefängnis Leistikowstraße ein. Schlüter wurde schließlich zu 20 Jahren Haft „begnadigt“. Nur durch die beharrliche Intervention seiner Familie kam er nach fünf Jahren frei. Bis vor wenigen Jahren hat Schlüter, der zur Katholischen Gemeinde gehört, nicht einmal mit engsten Vertrauten über seine Erlebnisse gesprochen. Seine Rolle wurde von Jonas Woitynek gespielt.  Der 84-jährige Schlüter verfolgte am Sonntag die Aufführung seiner Lebensgeschichte sichtlich bewegt. Als der junge Schlüter-Darsteller und er vor das Publikum traten, wollte der Applaus kein Ende nehmen.