Mit leichtem Gepäck eine Pilgerreise über die Insel Rügen

Am 24.9. traf sich  eine kleine Gruppe von 12 Frauen aus dem Bistum Berlin und darüber hinaus in Sassnitz auf Rügen. Im Gepäck: das vermeintlich Nötigste für eine siebentägige Wanderung  über Rügen.  Die Furcht, alles könnte zu schwer sein, verflog bald. Die Schuhe und Füße standen eher  im Mittelpunkt unserer körperlichen Aufmerksamkeit und Sorge.

Den Birgittenweg auf Rügen zu erpilgern,  diese äußere Reise  hatten wir uns vorgenommen. Eine innere Reise ebenso, die uns zu Wesentlichem unseres Lebens führen sollte.
Das Lied „Mit leichtem Gepäck“ der deutschen Pop-Gruppe Silbermond war unser Begleiter. Darüber hinaus gestaltete das kurze tägliche Morgen und Abendgebet unseren Tagesrhythmus, hineingewoben wurden spirituelle Impulse, gestaltet durch die Bibel, geistliche Zitate und Auslegung und  eben „unser Lied“.

Dieser „weltliche“ Song konfrontierte uns mit überfüllten Kleiderschränken, zugestellten Wohnungen, alten Rechnungen unseres Lebens…. Dinge, die es lohnt,  betrachtet und losgelassen zu werden. Um dann endliche einen Blick auf die Freuden, die Perlen unseres Lebens zu werfen, auf unsere tiefe Sehnsucht nach…. ja nach was eigentlich? Nach „Gott“ schien zu groß, zu weit…also erst mal kleiner, einfacher. „Geh, wohin dein Herz dich trägt!“ sagt Nelly Sachs. Und von dort aus dann, können wir, einfach und still, einen Blick werfen auf den, der uns näher ist, als wir uns selbst.

Rügen ist eine wunderbare Insel. Der Birgittenweg ist erst 2013 eröffnet und alles andere als einfach und augenfällig ausgeschildert. Ein vorheriges Ablaufen ist unumgänglich.

Von Sassnitz und der St. Johannis-Kirche wanderten wir nach Lietzow. Durch dichte Buchenwälder ging es, um dann in einer einzigen Biegung den Blick auf die Ostsee zu eröffnen.  Allein schon dieses Stück  legte das Thema unseres Weges offen: Durch die Dichte unseres Alltags einen Blick in Weite und Raum zu wagen, Durchatmen.

Von Lietzow nach Bergen, wo wir frühzeitig genug ankamen , um nicht nur die ev. Marienkirche zu besichtigen, sondern auch noch die Messe mit Pfr. Hartung feiern zu können.
Von Bergen nach Putbus:  Dort erlebten wir im Schlosspark eine Zeit der Stille und geführten Meditation. Der dortige ev. Pfarrer Müller-Busse nahm uns gastfreundlich auf, wir beteten und sangen mit ihm in der dortigen  Kirche.

Von Putbus ging es weiter nach Garz. Ein insgesamt langer Weg für uns, grenz-wertig und kräftezehrend. Aber alle haben es geschafft. Von Garz aus machten wir uns auf den Weg an die Südküste Rügens und konnten die alte Kirche St. Stephanus  von Swantow bewundern.

Sehnsucht stand als großes Thema über diesem Tag. Die Wanderung an der südlichen Küste zur Ostsee hin nannte eine von uns dann auch treffend „Sehnsuchtsweg“, der Blick auf weites Wasser während wir im starken Wind durch gemähte Kornfelder zogen und in Stille den letzten Impuls meditierten.
Nach unserer Übernachtung in Gustow ging es auf die letzte kurze Strecke nach Stralsund. Mit einem Blick von der Insel  auf die Hansestadt  ließen wir die Tage innerlich an uns vorbeiziehen und ein Füllhorn füllen mit dem, was wir an Begegnungen, Einsichten und Erinnerungen mitnehmen wollten.

12 Frauen, die sich näher kamen in dieser Zeit, sich rieben aber auch zusammenwuchsen. 12 Frauen, die an vielen Orten bemerkt wurden. Eine Frau aus Köln kam zu uns, tief berührt, „das es so etwas hier gibt“. Spöttische Herren, die leistungsbezogen nach dem km fragten, die wir täglich hinter uns brachten. Und immer wieder das morgendliche Gebet, das Gottes Segen auf uns, unseren Tag und die Menschen, die uns gastfreundlich aufnahmen, erbat. Wesentlich sein - Segen sein – uns und anderen.