Neue Gedenkstätte für Opfer der Nationalsozialisten eingeweiht

Perspektive des Entwurfs von struber_gruber aus https://www.erinnerungsort-altglienicke.de/

Mit einem Festakt ist am Montagmittag eine neue Berliner Gedenkstätte für Opfer der Nationalsozialisten auf dem Städtischen Friedhof Altglienicke (Treptow-Köpenick) eingeweiht worden. Sie erinnert an mehr als 1.370 Menschen verschiedener Nationalitäten und Glaubensrichtungen, wie das Erzbistum Berlin und die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz erklärten. Sie starben unter anderem in Konzentrationslagern und der Haftanstalt Berlin-Plötzensee. Die Urnen mit ihrer Asche waren in der Grabstätte U1/U2 bisher ohne Nennung ihrer Namen beigesetzt.

Die Ermordeten "unterschiedlicher Herkunft, Religion und Konfession" galten "den Nazis nicht mehr als Menschen oder gar als Abbild Gottes", erklärte Erzbischof Heiner Koch. "Verbrennung oder anonyme Massengräber sollten ein Gedächtnis an sie auslöschen. Lange Zeit waren ihre Namen auch für uns in Vergessenheit versunken. Nun haben viele von Ihnen wieder eine Identität." Die neugestaltete Begräbnisstätte solle "ein Ort unserer Erinnerung an sie und ihr Schicksal sein".

Der Berliner Rabbiner Andreas Nachama sagte: "Wir trauern um ihre Güte und um ihre Weisheit, die die Welt hätten retten und so viele Wunden hätten heilen können. Wir trauern um den Geist und den Humor, der ermordet wurde, um das Lernen und Lachen, das für immer verloren ist."

Bischof Christian Stäblein erklärte, man dürfe "den Schmerz nicht übergehen" und müsse "die Verbrechen benennen", um neuen Anfängen zu wehren. "Ich will auch den Schmerz nicht verschweigen, den etliche in sich spüren, weil die Asche im Land der Täter liegt. Ich weiß darum. Ich kann nur hier stehen und aufrichtig sagen: wir erinnern, wir werden die, deren Asche hier liegt, nie vergessen."

Vor rund drei Jahren hatten die Senatsverwaltungen für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz sowie für Stadtentwicklung und Wohnen einen Wettbewerb zur Neugestaltung der Grabstätte ausgelobt. Es gewannen die Künstlerin Katharina Struber und der Architekt Klaus Gruber (beide Wien). An dem Projekt beteiligten sich überdies 1.375 Berlinerinnen und Berliner, indem sie im vergangenen Jahr Lebensdaten und Namen der Opfer per Hand aufschrieben. Künftig sind grüne Glastafeln mit diesen Angaben ein zentraler Bestandteil des Erinnerungsortes.