"Papst irritiert mit Aussage über Prügelstrafe"Ein Leserbrief an die Märkische Oderzeitung

Pfarrer Kohnke, Foto: Walter Wetzler

Zum Artikel vom 7.2.15 S. 1 - "Papst irritiert mit  Aussage über Prügelstrafe":

Nicht nur der Papst irritiert! Sie irritieren mich auch - und zwar sehr! Warum wird der Papst in Ihrem Artikel nur bruchstückhaft und damit sinnentstellend zitiert? Das vollständige Zitat lautet:

„Ein guter Vater versteht es zu warten und zu vergeben, aus der Tiefe seines Herzens. Natürlich weiß er aber auch mit Entschlossenheit zu korrigieren: er ist kein schwacher, nachgiebiger, sentimentaler Vater. Der Vater, der es versteht zu korrigieren, ohne zu erniedrigen, ist derselbe, der Schutz gebietet, ohne sich zu schonen. [In freier Rede fährt der Papst fort:] Einmal habe ich in einer Versammlung mit Ehepaaren einen Vater sagen hören: „Hin und wieder muss ich meine Kinder ein wenig schlagen, aber nie ins Gesicht, um sie nicht zu erniedrigen.“ Wie schön! Er hat Sinn für die Würde. Er muss strafen, aber er tut es gerecht, und geht voran.“ (Quelle: http://de.radiovaticana.va/news/2015/02/06/kommentar_der_%E2%80%9Eklaps_auf_den_hintern%E2%80%9C/1121852)

In Ihrem Artikel wird durch das Wegschneiden der Aussage, um die es dem Papst offenbar hauptsächlich ging, nämlich Kindern nicht die Würde zu nehmen, ein ganz anderer Sinn in seine Worte projiziert. Da ist es kein Wunder, wenn die "Empörung groß" ist, nicht nur bei Kinderrechtsexperten. Letztlich kommt es doch so heraus: Der Papst empfiehlt die Prügelstrafe. Journalistisch redlich ist das absolut nicht. Es ist ganz einfach mies! Eine Richtigstellung wäre das Mindeste, was man in diesem Zusammenhang erwarten kann - und nicht nur unter "was sonst noch geschah".

Übrigens sollten die neunmalklugen Experten nicht vergessen, welchen Lebens- und Erfahrungshorizont der Papst hat. Er ist in einem Land aufgewachsen, in dem Kinder zigtausendfach entwürdigt werden, indem sie geschlagen und vergewaltigt, in die Prostitution getrieben und zu harter Arbeit gezwungen werden - gänzlich ohne Achtung ihrer Würde. Um das Anliegen seiner Worte zu verstehen, darf man diesen Horizont nicht vergessen. Mit Entrüstung über einige aus dem Zusammenhang gerissene Worte und mit dem Hinweis auf das deutsche Bürgerliche Gesetzbuch ist da überhaupt nichts gewonnen.

Der Kommentar von G. Marx auf Seite 2 geht dankenswerterweise etwas sachlicher mit dem Thema um und versöhnt einen wieder ein wenig nach dem Ärger von Seite 1. Einzig der Hinweis am Schluss auf die Vergangenheit, in der eine Persönlichkeit noch tief stecken kann - und damit ist offensichtlich der Papst gemeint - lässt wieder die hohe Warte erkennen, zu der sich manch eine andere Persönlichkeit aufschwingen kann ... Wie schön ist es doch, daß wir in Deutschland so warm und trocken sitzen!

Mit freundlichen Grüßen

B. Kohnke, Pfarrer  St. Peter und Paul Eberswalde