Plötzlich digital: Das Sommersemester 2020

Foto: Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin

In den letzten Wochen haben sich die Studierenden und Lehrenden an den Hochschulen ungewollt auf ein großes hochschuldidaktisches Experiment einlassen müssen. Seit Ende März befinden sie sich im sogenannten Präsenznotbetrieb und mit einer Rückkehr zur Präsenzlehre ist im Sommersemester nicht mehr zu rechnen.

An der Katholische Hochschulen für Sozialwesen Berlin werden in diesem Sommersemester deshalb insgesamt über 250 Lehrveranstaltungen ausschließlich in digitaler Form angeboten. Die kurzfristige Umstellung des Lehrangebots auf digitale Formate folgte dabei keiner ausgefeilten Gesamtstrategie, sie das Ergebnis eines schöpferischen Umgangs mit der Ausnahmesituation. Auf diese Ausnahmesituation war sicherlich niemand gut vorbereitet – und doch wurden die damit einhergehenden Herausforderungen von den Studierenden und Lehrenden sehr gut angenommen.

Der flächendeckende Einsatz von digitalen Formaten verlangt den Studierenden und Lehrenden einiges ab. Nicht alle verfügen über die für die digitale Lehre eigentlich notwendigen leistungsfähigen Netzanschlüsse und die weitere technische Ausstattung. Außerdem zeigt sich: Nicht alles technisch Mögliche ist auch aus didaktischer Perspektive sinnhaft. Nicht alle Lehrformate lassen sich digitalisieren, nicht immer stehen die geeigneten digitalen Lehrmethoden zur Verfügung.

Es zeigt sich: Auf Präsenz und Interaktion kann die Hochschullehre nicht vollständig verzichten, nicht immer lässt sich eine anregende Lernatmosphäre und ein lebendiger Austausch im digitalen Raum herstellen. Ein weiterer Erkenntnisgewinn: Der zeitliche Aufwand für die Entwicklung und Durchführung digitaler Lehrformate ist nicht zu unterschätzen.

Welche Formen des digitalen Lehrens und Lernens sind wirklich sinnvoll und können deshalb auch nach einer Rückkehr zum normalen Lehrbetrieb weiterhin eingesetzt werden? Es bleibt zu hoffen, dass Studierenden und Lehrende die Zeit finden, sich dieser Frage zu stellen und das laufende hochschuldidaktische Experiment in diesem Sinne miteinander auswerten.

Prof. Dr. Axel Bohmeyer, Vizepräsident der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin, www.khsb-berlin.de