Weiter für Veränderungen einsetzen

Enttäuschung – das war der Eindruck beim Lesen der ersten Stellungnahmen zu dem Nachsynodalen Schreiben Querida Amazonia von Papst Franziskus. Auch wenn inzwischen einige andere Akzente gesetzt worden sind, ist fraglich, ob die Enttäuschung gerechtfertigt ist. Nach Abschluss der Synode im Oktober hatte es immer wieder Stimmen gegeben, die davor warnten, die Diskussion auf Überlegungen zu Reformen der Dienste in der Kirche zu verengen. „Diese Synode ist ein Notschrei“, sagte der Wiener Kardinal Schönborn und meinte damit die Debatten über die ökologischen und sozialen Verwerfungen im Amazonasgebiet. Genau die sind für den Papst zentral.

Seine Vision für Amazonien entfaltet er unter einem sozialen, einem kulturellen, einem ökologischen und erst dann unter einem kirchlichen Aspekt. Gerade in den drei ersten Kapiteln kommt er immer wieder auf seine früheren Aussagen zurück: die Rechte der Ärmsten, die ihm seit Evangelii Gaudium wichtig sind, die Zerstörung des Regenwaldes, die er seit Laudato Sí anprangert, die notwendige Abkehr von Konsumismus und Wegwerfkultur, die seine gesamte Verkündigung durchzieht. Der Aufruf, den Lebensstil zum Wohl aller zu ändern und verstärkt umweltschützende Maßnahmen zu ergreifen, gilt allen Menschen guten Willens.

Irritierend und ärgerlich wirkt der kryptische Satz, dass eine Zulassung von Frauen zu Weiheämtern auf „eine Klerikalisierung der Frauen hinlenken“ würde. Was ist damit gemeint? Welches Frauenbild steht hinter einer solchen Aussage, wenn Franziskus gleichzeitig in Frauen eine große Stütze für die Verbreitung des Glaubens und Aufrechterhaltung des kirchlichen Lebens sieht? Wiegt Geschlecht mehr als Eignung?

Da der Papst auch schreibt, dass jede Region ihre eigenen Antworten finden müsse, sind wir in Deutschland aufgefordert, nicht in der Enttäuschung zu verharren, sondern auf dem Synodalen Weg geeignete Formen zu entwickeln , den Glauben zu leben. Im Übrigen: Konkret zu den im Abschlussdokument befürworteten „viri probati“ und Zölibat sagt er nichts, sondern überlässt das dem „groben Rahmen für die Reflexion“. Es gilt, weiter dicke Bretter zu bohren.

Dr. Karlies Abmeier ist Mitglied im Vorstand des Diözesanrats der Katholiken im Erzbistum Berlin