Wie ein Baum am Wasser gepflanztSeit 80 Jahren ist das Christian-Schreiber-Haus ein Ort der Jugendbegegnung

Foto: Theurich

Jeden Mittag um zwölf Uhr läutet die Glocke des Christian-Schreiber-Hauses – und das seit 80 Jahren: Zum Christkönigsfest 1933 wurde das Gebäude in Alt-Buchhorst eingeweiht als Kinder- und Jugendbildungshaus des Bistums Berlin. Es liegt vor den Toren der Hauptstadt, direkt am Peetzsee, in idyllischer Landschaft.

Die Begegnungsstätte ist benannt nach Christian Schreiber, den Pius XI. 1929 zum Apostolischen Administrator des neu errichteten Bistums Berlin berief. Ein Jahr später wurde Schreiber Bischof. Er stammte aus bescheidenen Verhältnissen, deshalb lag ihm die Jugend und deren Ausbildung besonders am Herzen.

Mittags läutet zurzeit Stephan Kaster aus Neuss am Rhein die Glocke im Garten und ruft zum Gebet. Der 18-Jährige arbeitet im Rahmen des freiwilligen ökologischen Jahrs dem Hausmeister zu, füttert die beiden Schafe Elsa und Flora sowie die fünf Kaninchen. Wenn Gruppen im Haus sind, hilft er bei Workshops, in denen etwa gefilzte Textilien hergestellt oder Brot im Steinofen gebacken wird.

Die Kinder und Jugendlichen, die in das Haus kommen, besuchen auch Kurse, in denen religiöse "emen besprochen werden. Schulseelsorgerin Felicitas Richter arbeitet mit Gruppen der katholischen Jugend, aber auch mit staatlichen Schulen, die ihre Klassenfahrten nach Alt-Buchhorst machen, um hier Tage zur religiösen Orientierung zu erleben.

„Wer einmal hier war, kommt gern wieder“, sagt der Hausleiter, Domvikar Christoph Zimmermann. So entstand mit Hilfe von Ehemaligen ein helles Spielzimmer für die jüngsten Besucher, die mit Billardtischen und Tischtennis für die Großen noch nicht viel anfangen können.

In der Kapelle steht eine Schutzmantelmadonna des Berliner Bildhauers Rudolf Heltzel (1907 bis 2005). Sie ist das Ziel zahlreicher Wallfahrten, und viele erinnern sich noch gern an Jugendfreizeiten, die sie einst am Peetzsee erlebt haben. „Bei Seniorenwallfahrten hatten wir manchmal 1200 Gäste“, sagt der Domvikar.

Vom Bahnhof Fangschleuse führt ein Waldweg in 40 Minuten nach Alt-Buchhorst. Das stets gut besuchte Haus strahlte nicht immer so eine entspannte Atmosphäre aus, wie heute. Alt-Buchhorst entwickelte sich in der dunklen Zeit des Dritten Reichs als Wallfahrtsort. Auch in der DDR war die Kapelle beliebtes Ziel der Pilger; aus West-Berlin allerdings nur bis zum Mauerbau. Umso wichtiger war die Einrichtung für die katholischen Jugendlichen aus Ostdeutschland in einem aggressiv atheistischen Staat.

Wer möchte, kann heute Laudes und Vesper mit den Franziskaner- Schwestern Ulrike und Otthilde beten. Sie sind entsendet von ihrem Kloster in Bamberg. „Als ich das Haus kennen lernte, konnte ich mir gut vorstellen hier zu leben. Das ist jetzt zwölf Jahre her“, erzählt Schwester Ulrike.

Nicht nur deutschen Jugendlichen steht das Haus mit dem freundlichen Motto „Wie ein Baum am Wasser gepflanzt“ offen. So engagierte sich eine deutsch-polnische Jugendgruppe zum Thema Wassermanagement und sogar eine muslimische Studentengruppe nutzte das Haus bereits.

Das 80-jährige Bestehen wird bescheiden gefeiert. Der Termin dafür ist das Gründungsdatum, das Christkönigsfest, das durch eine Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils nicht mehr wie vor achtzig Jahren Ende Oktober, sondern Ende November begangen wird. Das Fest war 1933 ein starkes Symbol für die katholische Jugend, die damit ein Zeichen gegen den Führerkult der Nationalsozialisten setzte.