Zum 10. Todestag von Georg Kardinal Sterzinsky

Schon 2015 – auf dem Höhepunkt der sog. „Flüchtlingskrise“ musste ich oft an meinen früheren Chef, Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky denken. Ob er wohl Angela Merkel recht gegeben hätte? Dass wir das schaffen? Georg Sterzinsky war selbst Flüchtling, ein Vertriebener, als neunjähriger Junge musste er mit seiner Familie aus dem Ermland vor der vorrückenden Roten Armee fliehen. Der „Bund der Vertriebenen“ konnte ihn sich aber nicht einfach zum Verbündeten machen; denn immer wenn er sich als Fürsprecher für ein Museum oder Dokumentationszentrum zum Thema Flucht und Vertreibung äußern sollte, stellte er die selbe Rückfrage: Wo steht das Wort „Versöhnung“ und wie ernst ist es Euch damit?

Fast auf den Tag zehn Jahre nach einem Tod am 30. Juni 2021 wird in Berlin das „Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ eröffnet. Es erzählt u.a. die Geschichte von Rupert Neudeck, gleichfalls ein Vertriebener, der das Erlebnis der eigenen Rettung zum Anlass nahm, selbst – auf der Cap Anamur – Flüchtlinge zu retten.

Es beschönigt nichts an der Vertreibung von Deutschen zum Ende des Krieges, es lässt aber auch keinen Zweifel, wer die Verantwortung für diesen Krieg trägt.

Nie wieder Krieg und alles zu tun, um die Ursachen von Krieg zu beseitigen, das war das Anliegen von Kardinal Sterzinsky. Selten aber dafür umso eindringlicher hat er davon gesprochen, wie er den Krieg erlebt und erlitten hat.

Völlig unverdächtig für jegliche Sozialromantik hätte er vielleicht nicht in das „Wir schaffen das“ eingestimmt, aber dafür umso klarer gemahnt: Wir schaffen das nur, wenn wir einander verzeihen und uns versöhnen.

Das „Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ am Anhalter Bahnhof hätte Kardinal Sterzinsky gefallen, denke ich. Die Versöhnung steht zwar nur an dritter Stelle, kommt aber nicht zu kurz.