Zupackend und spendabel

Freundeskreismitglieder bei ihrem jüngsten Arbeitseinsatz

Seit 21 Jahren gibt es den „Freundeskreis des St.-Otto-Heimes“ für die katholische Begegnungs- und Familienstätte in Zinnowitz. Der Verein hat einige Sanierungs- und Erweiterungsbauten möglich gemacht.

„Es ist gut zu zeigen, dass das Haus wichtig ist und dass es im Hintergrund Menschen gibt, die sich für dieses Haus interessieren“, ist der Ruhestands-Pfarrer Reinhold Janiszewski überzeugt. Denn im gesamten Erzbistum Berlin gibt es neben dem Christian- Schreiber-Haus in Alt Buchhorst nur das St. Otto-Heim als Begegnungs- und Familienstätte. Er war unter anderem Leiter des Hauses in Zinnowitz auf Usedom. Seit 2012 lebt er auf dem Gelände und engagiert sich als erster Vorsitzender im Förderverein weiter.

„Die Gründung“, sagt er, „war 2001 ungewöhnlich, denn im Osten waren Fördervereine eher unbekannt.“ Nötig war sie dennoch zur Unterstützung des Hauses, erfolgten ab 2000 doch Umbaumaßnahmen auf dem weitläufigen Gelände im Kiefernwald direkt an der Ostsee: Neue Gebäude entstanden, alte Bauten wurden saniert. Das Erzbistum Berlin, seit 1995 Eigentümer der Anlage, beteiligte sich daran mit 20 Prozent. Weitere Kosten wurden durch öffentliche Fördermittel getragen. Der Freundeskreis unterstützte ab 2004 aktiv kleinere und größere Vorhaben in und um St. Otto. So konnte in dem Jahr das so genannte Kaminzimmer eingerichtet werden. Auch am Wiederaufbau des Amphitheaters 2009 beteiligte sich der Förderverein. 2014 erfolgte die Förderung zur Wiederherstellung des Fußballplatzes am Rande des großen Spielplatzes.

Doch nicht nur finanziell wird die Begegnungs- und Familienstätte vom Freundeskreis unterstützt: Zweimal im Jahr gibt es zur Vollversammlung für Mitglieder und auch Interessierte einen Arbeitseinsatz auf dem Gelände in Zinnowitz. So halfen die Engagierten bei der Umgestaltung des Spielplatzes, entfernten die alten Spielgeräte, bei Malerarbeiten am Waschhaus, bei Gärtnerund Aufräumarbeiten auf dem Gelände.

Berliner sind rar unter den Mitgliedern

Die derzeit 30 Mitglieder kommen hauptsächlich aus Stralsund, ein paar aus Berlin und einige aus Zinnowitz selber. Das wundert Reinhold Janiszewski immer mal wieder, werde das Haus doch sehr intensiv von Menschen aus Berlin und der Pfarrei St. Otto, die von Greifswald über Anklam und Wolgast bis nach Usedom reicht, genutzt, für Religiöse Kinderwochen, Ferienfreizeiten und ähnliches. Auch der Katholikentag Vorpommern findet seit einigen Jahren immer im Sommer auf dem Gelände der Begegnungs- und Ferienstätte statt. Ein großes Anliegen ist dem Freundeskreis die Unterstützung von Großfamilien mit fünf Kindern oder mehr. „Noch dringender ist aber die Energiefrage“, so der Vorsitzende Janiszewski. Das Haus plane Sonnenkollektoren auf den Dächern, das wolle der Freundeskreis gerne unterstützen.

 

Bewegte Vergangenheit

Im Januar 1916 kamen zwei Marienschwestern nach Zinnowitz, um auf dem Gelände im Sommer katholische erholungsbedürftige Kinder zu betreuen. Seit 1960 wurde das St. Otto-Heim zu einem Zentrum für kirchliche Kinder- und Jugendarbeit in der DDR ausgebaut. Dies ging auf die Initiative von Weihbischof Alfred Bengsch zurück, der 1961 Bischof von Berlin wurde. Die Anzahl der Marienschwestern sank unterdessen. Bis zur Wende arbeitete das Haus mit Kindergärtnerinnen aus dem Seminar in Michendorf und Erfurt, die nach ihrem Examen zum Anerkennungsjahr nach Zinnowitz geschickt wurden und oft zwei weitere Jahre blieben. Ab 1989 wurde das Haus zu einem staatlich anerkannten Kinderkurheim mit 200 Plätzen umgebaut. Dessen Leistungen wurden von den Krankenkassen finanziert. Es bot stationäre Vorsorgekuren für Kinder zwischen drei und 16 Jahren an, die unter Erkrankung der Atmungsorgane und der Haut litten. 1995 verkaufte der Schwesternkonvent das Haus an das Erzbistum Berlin.