Sonntag, 17. Dezember 2017 - 3. Advent

Advent findet Stadt

Siehe, eine Treppe stand auf der Erde,

ihre Spitze reichte bis zum Himmel.
Und siehe:
Auf ihr stiegen Engel Gottes auf und nieder.
Und siehe, der Herr stand vor ihm und sprach …

Gen 28,12 (Jakobs Traum)

Amen, amen, ich sage euch:
Ihr werdet den Himmel geöffnet
und die Engel Gottes
auf- und niedersteigen sehen
über dem Menschensohn.

Joh 1,51 (Jesus zu Nathanael)


Rolltreppe in Berlin-Gesundbrunnen, Foto: Gisela Gürtler

Mit einer Treppe ist es möglich, Höhenunterschiede zu überwinden. Auf einer Rolltreppe gelangt jeder sicher und bequem von einer Ebene auf eine andere, ohne sich dabei selber groß anzustrengen. Auf Bahnhöfen, in Kaufhäusern oder Flughäfen, überall dort wo viele Menschen unterwegs sind, finden sie sich. Und erst wenn sie stehenbleiben, nimmt man diese alltägliche Selbstverständlichkeit überhaupt erst als eine wichtige Einrichtung des täglichen Lebens (zumindest in der Stadt) wahr.

Mit Begegnungen und Verbindungen zwischen uns Menschen scheint es doch manchmal auch so zu sein. Sie so richtig zu erkennen und wertzuschätzen gelingt erst, wenn sie ins Stocken geraten oder ganz still stehen - einfach aus sind. In solchen Zeiten wie der Advents- und Weihnachtszeit nimmt man bei allem Hin und Her des Alltags Differenzen und selbst feine Unterschiede besonders wahr.

Johannes der Täufer predigte in Bethanien (Joh1, 28) auf der Ostseite des Jordan, wie wir im heutigen Sonntagsevangelium hören, und taufte dort die umkehrwilligen Juden. Eines Tages begegnete er hier Jesus, nannte ihn das Lamm Gottes, taufte ihn und sah den Geist Gottes auf ihn niederkommen (Joh 1,29-34). In den folgenden Tagen begegnete dieser Jesus Menschen und sammelte sie als seine Jünger. In den Begegnungen (Joh 1,51) wird deutlich: er ist der Messias, der von Gott gesandte Erlöser und Heiland.

Zwischen Gott und diesem Jesus gibt es keine Höhenunterschiede. So wie er in einer einzigartigen Einheit mit dem himmlischen Vater steht, nimmt er uns, in der Begegnung mit ihm, in diese Beziehung hinein.
Vielleicht gelingt es uns in diesen Tagen des verbleibenden Advent, solche Begegnungen mitten in unserem Alltag aufzuspüren und tatsächliche „Himmelsleitern“ zu entdecken. Wenn man dann  aufmerksam hinschaut, begegnet einem der eine oder andere Engel.

Ihr

Regens Matthias Goy