Donnerstag, 13. Dezember 2018

Gott kommt - mitten ins Leben

Leuchtfeuer

Eigentlich bin ich gar kein Leuchtturmwärter. Die Lichtsignale werden elektronisch gesendet und leuchten ohne regelmäßige Wartung. Trotzdem muss ich immermal den Turm besteigen und nach dem rechten sehen. Wie immer hatte ich auch heute meine Kopfhörer drin und hörte Musik. Sonst ist es zu langweilig.
Ich war fast fertig mit der Überprüfung und mit Saubermachen, als die Musik nicht mehr zu hören war. Es knatterte und rauschte in meinen Ohren, so wie früher, wenn in meiner Kindheit der Radioempfang gestört wurde.

Ich zog die Stöpsel aus den Ohren und sah hinaus. Da es ein klarer Tag war und ich die Fenster gerade geputzt hatte, konnte ich weit hinaus auf die Ostsee blicken. Es sah aus, als käme von Norden ein ganzes Flugzeuggeschwader. Flugzeuge konnten es aber nicht sein, dafür bewegten sie sich zu unruhig. Einen Moment lang dachte ich, es wären Hubschrauber. Aber dann erkannte ich es - und hätte mich vor Schreck fast hingesetzt. Zum Glück saß ich: Es waren Menschen, die flogen – flogen und leuchteten. Sie hatten keine Kerzen oder Lampen in Händen, sondern sie leuchteten aus sich heraus.

In ihrer Mitte flog eine Frau, die trug einen Kranz auf dem Kopf. Darauf steckten nun tatsächlich brennende Kerzen, die trotz des Windes nicht ausgingen, sondern leuchteten. Sie sangen auch etwas, das sich wie „Gloria“ anhörte. Dazwischen hörte ich, wie einige der Wesen „Santa Lucia“ sangen.
Jetzt habe ich es: Es müssen Engel gewesen sein, die über die Ostsee kamen.
Als sie über dem Festland angelangt waren, drehten sie in großem Bogen ab und flogen zurück nach Skandinavien.

Ich hatte keine Lust mehr, Musik über mein Smartphone zu hören. Das kann ich jeden Tag. Jetzt wollte ich die fremden Klänge, die ich noch im Ohr hatte, so lange wie möglich bewahren.
Bisher hatte ich mich nicht auf Weihnachten gefreut. Ich hatte mich vor dem Stress gefürchtet, der mit dem Geschenke-Besorgen verbunden war. Mir hatte vor dem 21. Dezember gegraut, wenn sich die Kollegen mit dem heruntergeleierten Spruch „Frohe Weihnachten und guten Rutsch ins neue Jahr“ verabschieden würden. Nun aber, da ich den Gesang von Gloria und Lucia gehört hatte, war ich ganz sicher, dass Weihnachten schön werden würde und wir das neue Jahr zuversichtlich beginnen könnten.