Freitag, 14. Dezember 2018

Gott kommt - mitten ins Leben

Schöne Bescherung

Wie im vorigen Jahr wollten wir den Weihnachtsbaum auch diesmal auf den Balkon stellen und erst am 23. Dezember abends hereinholen. Wir würden die Gardine zugezogen lassen, so dass die Kinder nicht durch die Scheibe sehen könnten. Ich wusste nicht mehr, womit wir voriges Jahr begründet hatten, dass die Gardine zugezogen blieb, auch an hellen, sonnigen Tagen. Uns würde diesmal schon wieder etwas einfallen.

Das waren unsere Überlegungen. So weit, so gut.

Heute, am Freitag, hatte ich früher Feierabend und fuhr zum Weihnachtsmarkt. Dort gab es Weihnachtsbäume. Schließlich war ich mit dem Kauf einer Tanne aus Thüringen zufrieden, ließ sie in ein Netz ziehen, trug sie nach Hause und ließ den Baum vor der Wohnungstür stehen. Als ich hörte, dass die Kinder in ihrem Zimmer waren, trug ich ihn schnell durch die Wohnung, stellte ihn auf den Balkon und zog die Gardine zu. Draußen war es bereits dunkel.

Als wir beim Abendessen saßen, klopfte es an die Balkontür. Überrascht sprang ich auf und öffnete die Tür. Hereingeflogen kam ein Fink und legte einen ziemlich langen Zweig mit roten Hagebutten auf den Tisch, der nahe am Balkon steht. Er drehte eine Runde durchs Zimmer und flog hinaus. Kurz darauf klopfte es wieder. Hereingeflogen kam ein Specht. Er brachte einen schönen großen Zapfen, legte ihn neben den Hagebuttenzweig, drehte eine Runde durchs Zimmer und flog hinaus. Danach kam ein Sperling mit einer Dolde Vogelbeeren. Ich immer aufgestanden, Balkontür geöffnet, Balkontür geschlossen, hingesetzt, gegessen. Beim vierten Klopfen war Andrea schneller als ich und öffnete die Balkontür. Eine Kohlmeise, die offensichtlich nicht in den Süden geflogen war, brachte ein Stück Moos und legte es auf dem Tisch ab.

So ging es eine ganze Weile weiter. Die Kinder waren inzwischen aufgestanden, lauerten an der Balkontür, dass es klopfte, öffneten sie und schlossen sie wieder. Irgendwann entdeckten sie den Weihnachtsbaum und jubelten. Sie schienen nicht überrascht, dass er dort stand. Beide meinten, die Vögel brächten ihre Geschenke, damit wir ihnen den Baum schmückten. Das war eine verrückte Idee. Aber nun war ohnehin alles durcheinander geraten, da kam es auf eine Verrücktheit mehr nicht an. Wir zogen die Gardine auf, damit der Lichtschein von innen auf den Balkon fiel, und befestigten mit Draht und Schnur, was uns die Vögel gebracht hatten. Als wir fertig waren, geschah das eigentliche Wunder: An der Spitze des Baum leuchtete ein Stern. Keiner von uns hatte ihn aufgehängt.

Einhellig beschlossen wir, den Baum auch zu Weihnachten auf dem Balkon stehen zu lassen, keinen anderen Schmuck und keine andere Beleuchtung in die Zweige zu hängen. Und die Vorhänge blieben geöffnet.