Freitag, 21. Dezember 2018

Gott kommt - mitten ins Leben

Ein richtig fauler Thomas

Dieser Tage las ich, dass die Evangelische Kirche den „Tag des Apostels Thomas“, wie es in ihrem liturgischen Kalender heißt, vom 21. Dezember auf den 3. Juli verlegt. Damit stimmen katholischer Heiligen- und evangelischer Namenskalender in diesem Fall wieder überein. Vor der Kalenderreform durch das Zweite Vatikanische Konzil wurde der Tag des Apostels Thomas auch von Katholiken am 21. Dezember begangen.

Ich bin 1990 geboren. Da lag das Fest des hl. Apostels Thomas bereits auf dem 3. Juli, und ich habe nie verstanden, was meine Oma meinte, wenn sie im Ärger sagte: „Du bist ein richtiger fauler Thomas.“ Später habe ich sie einmal danach gefragt. Sie erklärte: „Na, ganz einfach: der Thomastag ist der kürzeste Tag im Jahr. Er steht spät auf und geht zeitig schlafen. Ist das nicht faul?“
Manchmal vergesse ich meinen Namenstag. Aber meine Oma denkt immer daran.
Heute hatte ich unter den vielen E-Mails eine Todesanzeige. Ein Bekannter, der mit mir die Ausbildung gemacht hat, ist plötzlich gestorben. Er wohnte mit seiner Familie nur wenige Straßen entfernt von hier. Sein Tod bedeutet keinen Einschnitt in mein Leben. Wir konnten uns gut leiden, trafen uns gelegentlich, tranken ein Bier zusammen, "Feierabendbier" sagte er immer. Und das war`s. Betroffen machte mich der Gedanke an seine Frau und die beiden kleinen Kinder. Und betroffen machte mich, dass wir gleichaltrig waren.

Ich klickte in meinem E-Mail-Programm "Antworten" an und wollte seiner Frau schreiben. Aber es funktionierte nicht. Ich konnte zwar "Antworten" anklicken, aber ich konnte nichts auf das Textfeld schreiben. Stattdessen erschienen immer wieder die Worte "Fauler Thomas". Das machte mich verrückt. Wieso war ich denn faul?

Bis es bei mir klickte: Die Familie meines Bekannten wohnt nur fünf Minuten entfernt. Und wenn ich auch nicht wusste, was ich ihr und den Kindern sagen sollte, wenn ich auch nicht wusste, ob sie "fromm" war - vielleicht konnte ich ganz praktisch helfen, vielleicht auch nur eine Weile bei ihr sitzen und ihr das Gefühl vermitteln, ihr Schicksal sei den Freunden ihres Mannes nicht gleichgültig. Oder was auch immer.