Montag, 10. Dezember 2018

Gott kommt - mitten ins Leben

Durchblick

Gestern hatte ich die zweite Operation wegen des Grauen Stars. Die erste liegt vier Wochen zurück. Es ist beide Male gut gegangen. Heute war ich in der Augenklinik. Der Arzt hat mir den Verband abgenommen, Augentropfen verschrieben und mich für nächste Woche wieder bestellt.

Als ich auf der Straße war, habe ich die Brille abgesetzt und bin zum ersten Mal seit über 60 Jahren ohne Brille durch die Straßen gelaufen. Das Glas vor dem frisch operierten Auge musste ohnehin ausgewechselt werden. Ich hatte die Brille abgenommen, weil ich fürchtete, durch die unterschiedlichen Glasstärken irritiert zu werden. Und jetzt merkte ich, dass ich ohne Brille laufen konnte. Ich fühlte mich nicht unsicher. Ich konnte sogar die Straßenschilder lesen. Das hatte ich vor den Operationen nicht einmal mit Brille gekonnt.

Jetzt sah ich mit einem Mal alles viel genauer. Mein Mann hatte vorher gespottet und gesagt: "Dann siehst du, wie viel Falten und Runzeln ich habe. Du wirst entsetzt sein." Ja, ich sah zu Hause dann wirklich Falten und Runzeln, die ich früher nicht wahrgenommen hatte. Ich sah auch, wie zerknittert mein Gesicht aussieht. Ich umarmte meinen Mann und sagte: „Wir passen nach wie vor gut zusammen.“

Ich bin dankbar und erleichtert, dass die Operationen geglückt sind. Dass ich so gut sehen würde, hatte ich nicht erwartet. Es hört sich vielleicht übertrieben an, aber ein wenig empfinde ich es wie eine Wiedergeburt.