Samstag, 8. Dezember 2018 - Maria Empfängnis

Gott kommt - mitten ins Leben

Schäfchen im Trockenen

Mir ist vor dem Winter bang. Der Sommer war trocken und heiß, es ist nicht genügend Gras gewachsen. Wir mussten mit den Schafherden viel mehr umherziehen als in anderen Jahren und konnten wenig Gras zu Heu machen. Natürlich bekommen die Schafe im Winter nicht nur Heu zu fressen, aber die Ernte war insgesamt dürftig. Wir hoffen jeden Tag auf Regen, damit das Grundwasser steigt und die Erde feucht und fruchtbar bleibt.

Jetzt sind die Tiere im Stall. Wir Schäfer haben ruhige Wochen. Ich habe für den Winter einen Nebenjob. Aber heute habe ich richtig frei und bin am Morgen zur Messe gegangen. Da am Sonnabend schulfrei ist, sind auch die Kinder mitgekommen. Meine Frau hat Dienst, sie ist eine der wenigen Busfahrerinnen. Ihre meisten Kollegen sind Männer.

Wie viele Kirchen hier an der Ostsee heißt auch unsere Stella Maris. Natürlich haben wir das Lied „Meerstern, ich dich grüße“ gesungen, das die Kinder kitschig finden und das alte Frauen zum Tremolieren verführt. Nach dem Gottesdienst sind die Kinder mit Freunden in den Wald gefahren. Ich bin an den Strand hinuntergegangen und lange am Wasser entlang gelaufen.

So bang wie am Morgen war mir nicht mehr. Auch jetzt schienen mir die Klimakatastrophe und das Austrocknen unserer Wiesen unaufhaltsam. Aber, und das klingt jetzt vielleicht frömmelnd oder beschönigend, mir war nach der Messe klar, dass wir in Maria eine Fürsprecherin haben. Ich weiß, hauptsächlich wir Menschen sind für die Trockenheit dieses Sommers verantwortlich; und wir müssen wirklich alles tun, was in unseren Kräften steht. Aber wir schaffen es nicht allein. Wir brauchen unbedingt die Hilfe Marias.
Ich wurde ganz ruhig: Wenn wir das uns Mögliche tun und wenn wir Maria mit ins Boot holen, dann kann uns gelingen, dass unsere Felder und Wiesen nicht vertrocknen.