Freitag, 25. Dezember 2020 - Weihnachten

Auch wenn vieles anders wird ... die Liebe bleibt.

Es wird wohl das härteste Weihnachten, das die Nachkriegsgenerationen je erlebt haben. Ich kann verstehen, was damit gemeint war: zu große Erwartungen an dieses Weihnachten sollen gedämpft werden, um Ärger und Frust schon im Vorfeld klein zu halten.

Und dennoch ist der Satz falsch. Wir leben seit 30 Jahren in einem wiedervereinigten Land, die überwältigende Mehrheit trägt die beschlossenen Einschränkungen nicht begeistert aber verständnisvoll mit, unser Gesundheits- und Sozialsystem federt zu einem großen Teil die Folgen der Pandemie einigermaßen ab, wir leben in äußerem Frieden. Und auch wenn ich mir Sorgen mache um wachsenden Rechtsextremismus und Antisemitismus, ich vertraue auf eine belastbare Demokratie.

Harte und härteste Weihnachten erleben nicht wir. Viel härter ist es für die Menschen, die Opfer von Krieg, Flucht und Vertreibung sind. Weihnachten in Syrien, im Libanon, in den Flüchtlingslagern in Moria, die trifft es hart an Weihnachten – auch ohne Corona.

Das bischöfliche Hilfswerk ADVENIAT ruft in diesem Jahr dazu auf, Weihnachten zu teilen, in Solidarität, in der Freude, im Gebet und auch durch eine Spende.

So erweisen sich beide Redewendungen als wahr:
„Geteiltes Leid ist halbes Leid“, denn Weihnachten ist das Fest der Solidarität aller Menschen, wir können nicht feiern und unsere leidenden Geschwister aus unseren Herzen ausschließen.
„Geteilte Freude ist doppelte Freude“, auch wenn das immer wieder bestritten wird. Die Freude über die Geburt von Gottes Sohn ist nicht haltbar, wenn sie nicht mit anderen geteilt wird, das darf dann auch in Ihrer Weihnachtsspende sichtbar machen.

Und schließlich sollten wir alles daran setzen, eine „Nachkriegsgeneration“ zu bleiben und alles dafür zu tun, dass wir über den Krieg in der Vergangenheit sprechen. „Nachkriegsgeneration“, das ist Aufgabe und Verpflichtung zugleich, damit wir nicht Vorkriegsgeneration werden.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein gesegnetes und friedvolles Weihnachtsfest 2020!

Ihr

Erzbischof Dr. Heiner Koch