Was ist Missionarische Pastoral

Christen sind als Volk Gottes und als Gesandte unterwegs. Dabei treffen sie immer mehr auf eine Gesellschaft, die sich als Glaubensdiaspora darstellt: Die gesellschaftliche Bedeutung christlicher Werte hat stark abgenommen. Das Christentum ist eine Option unter vielen. Der einzelne kommt nicht mehr selbstverständlich mit dem christlichen Glauben oder christlichen Wertevorstellungen in Berührung. Diese Sachlage haben die französischen Bischöfe in ihrem Brief an die französischen Katholiken1996: „Proposer la foi " „Den Glauben anbieten oder vorschlagen" beschrieben. In diese Situation hinein sieht die Kirche ihre Aufgabe weiterhin darin, die frohe Botschaft absichtslos anzubieten und dem Adressaten die Freiheit zu lassen, diese ablehnen oder annehmen zu können. „Warum also Mission im Dritten Jahrtausend nach Christus? Weil sich die Kirche als das wandernde Volk Gottes in der Geschichte reich beschenkt und zugleich in Dienst genommen weiß." (Deutsche Bischofskonferenz "Allen Völkern sein Heil", 76, S. 20.)

In einer Erklärung der Deutschen Bischöfe von 2000 "Zeit zur Aussaat" heißt der Untertitel "Missionarisch Kirche sein". In der Vergangenheit waren Worte wie Mission häufig negativ besetzt. Mit ihnen verband man Erfahrungen der Intoleranz und des aufdringlichen Bekehrungseifers (ebenda S.18).

Mission bedeutet aber "Biotope des Glaubens" zu eröffnen, "als Räume der Einübung, der Erprobung und Bewährung des christlichen Glaubensweges." s.o.

„Bei der Erfüllung der missionarischen Ur-Aufgabe müssen alle kirchlichen Überlegungen die Menschen und ihre realen Lebensbedürfnisse ernst nehmen, und das nicht um die „eigentliche" Mission vorzubereiten, sondern um in den Problembewältigungen der Menschen einen Anknüpfungspunkt zu sehen, den Heilswillen Gottes zu bezeugen."

H.L Herrmann in „Missionarisch Kirche sein als Grundhaltung aller kirchlicher Pastoral"

KAMP Erfurt

"Mission" heute

Im Gegensatz zu früher verstehen wir Mission heute als Dialog, als Angebot an Glaubensferne, sich unseren Glauben ohne Angst vor Vereinnahmung anzuschauen, sich von ihm berühren zu lassen und ein paar Schritte mitzugehen. Die missionarische Pastoral bemüht sich um Berührungspunkte mit Menschen, denen der christliche Glaube fern ist oder die ihm ablehnend gegenüberstehen.

Die Emmausgeschichte bietet die Grundlage der missionarischen Pastoral, ebenso das Angebot: „Komm, und sieh!“.

Die missionarische Pastoral hat in allen Diözesen unterschiedliche Schwerpunkte. Nicht immer sind die Bereiche klar voneinander trennbar. Hier aber ein paar Leitfäden:

  • Tourismuspastoral/(Auf-)Suchendenpastoral
  • Citypastoral
  • Daneben gibt es die missionarische Gemeindepastoral. Hier werden – oft auf dem Hintergrund der Sinusstudie – die Möglichkeiten der jeweiligen Gemeinde ausgelotet und auf Projekte hin reflektiert. Missionarische Projekte finden dann z.B. im Gemeindesaal, beim Schulfest oder auf dem Weihnachtsmarkt im Stadtteil statt. Auch Glaubenskurse gehören dazu.