Corona – Krise, Chancen, Möglichkeiten?

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Lockdown, Homeschooling, Präsenzunterricht, Musterhygieneplan, Flächendesinfektion, Schulschließung, Maskenpflicht, Risikogruppen, Abstandsregeln, Eltern als Lehrkräfte, Stornokosten, Videokonferenzen, … Die Liste an Begriffen im Sinne eines Brainstorming  wäre beliebig fortzusetzen.  Begriffe, die wir aus Medien, Presse, Rundfunk und Fernsehen kannten, deren Bedeutung wir auf der Metaebene erklären konnten, die nun aber teils schmerzlich erfahrbar und bitter spürbar wurden. Eine Realität, die die Schulen und auch die Schulverwaltung  mit einer solchen Wucht überrollte, dass letztlich häufig nur ein Reagieren anstelle eines Agierens übrig blieb. Diese Phase aus Sicht der kirchlichen Schulaufsicht im Bereich Bildung des Erzbischöflichen Ordinariats abschließend beurteilen und bewerten zu wollen, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich. Viele einzelne Mosaiksteine ergeben ein Gesamtbild, das wir heute noch nicht überblicken können. Von daher erheben wir in den folgenden Ausführungen auch nicht den Anspruch einer umfassenden allgemeingültigen Darstellung. Wir sind noch mitten drin in der Krise.

Was nehmen wir als Schulaufsicht der 25 Katholischen Schulen im Erzbistum Berlin aus den letzten Wochen mit? Was sind die Perspektiven, Chancen, Möglichkeiten aber auch die Grenzen,  die sich aus den letzten Wochen und Monaten  ergeben:

An dieser Stelle müssen unsere Schulleitungen erwähnt werden, die in kürzester Zeit, sozusagen über Nacht den Schulbetrieb im Krisenmodus organisiert und Schülerinnen und Schüler, Kollegien und Eltern mitgenommen, informiert und begleitet haben. Häufig genug von Freitagnachmittag zu Montag hatten sie Regelungen der Senatsverwaltung mit der Elternschaft zu kommunizieren und schulorganisatorisch umzusetzen. Hierbei zeigte sich an unseren Standorten ein professionelles Agieren mit  kurzen und effektiven Kommunikationswegen zwischen Elternhaus und Schule. Und natürlich gilt unsere Hochachtung und unser Dank, den Kolleginnen und Kollegen, die ihrer pädagogischen Verantwortung unter vollkommen veränderten Rahmenbedingungen nachkamen und sich den gänzlich neuen Herausforderungen stellten.

Die Digitalisierung in Gesellschaft und in Schule hat einen Quantensprung erlebt. Zurück geht es nicht mehr. Unsere Lern- und Kommunikationsplattform „schulerzbistum.de“ hat ihre Bewährungsprobe bestanden. Sie bot unseren Lehrkräften während des Homeschooling die Möglichkeit, für Eltern und Schülerinnen und Schüler  erreichbar zu sein, Unterrichtsmaterialien hochzuladen, Videokonferenzen durchzuführen. Mindestens ein Teil unserer Schülerinnen und Schüler hat die Erfahrung, selbstständigen und eigenverantwortlichen Lernens machen können.

Welche Fragen bleiben oder sind nun auch mit Bedacht zu betrachten und zu beantworten:

  • Wie gehen wir mit den Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler um und was leiten wir für den weiteren Unterricht daraus ab?
  • Haben wir alle Schülerinnen und Schüler in dieser Phase erreicht?
  • Sind alle unsere Kolleginnen und Kollegen geschult, motiviert und in der Lage, den technischen wie methodisch-didaktischen Herausforderungen des Homeschooling gerecht zu werden?
  • Erleben wir gerade, dass sich die Schere zwischen sozialen Gruppen unter sozioökonomischen Gesichtspunkten vergrößert?
  • Sind in den Familien überhaupt die technischen Voraussetzungen gegeben, die Form des Homeschooling für die Lernentwicklung zu nutzen?
  • Wie kann insbesondere nach den Ferien ein geregelter Schulbetrieb stattfinden, wenn nicht alle Lehrerinnen und Lehrer aufgrund der Risikofaktoren den Schulen für den Präsenzunterricht zur Verfügung stehen.
  • Wie gehen wir mit den Belastungen der Mitarbeitenden um, die womöglich Homeschooling, Präsenzzeiten und ihre eigenen Familie organisieren müssen?

Wie geht es nun weiter?

Mit Beginn des Schuljahres 2020/2021 soll in allen Schularten und Jahrgangsstufen in den Schulen Berlins und Brandenburgs wieder Regelbetrieb stattfinden. Damit ist das Ziel, einen geregelten, durchgehenden Lernprozess für alle Schülerinnen und Schüler im gesamten Schuljahr herzustellen. Im Sport- und Musikunterricht sind Unterrichtssituationen mit direktem Körperkontakt zu vermeiden und Alternativen zu entwickeln. Zur Begrenzung des Infektionsgeschehens sind weiterhin die Hygieneregeln, wie regelmäßiges Händewaschen und Lüften der Räume einzuhalten. Der bisherige Mindestabstand von 1,5 Metern wird aufgehoben. Für Schülerinnen und Schüler mit Vorerkrankungen werden nach Vorlage einer entsprechenden ärztlichen Bescheinigung bis auf weiteres schulisch zum Lernen zu Hause angeleitet.

Wir wissen alle, wie schnell sich die Gesamtsituation ändern kann. Ein Ende der Einschränkungen in so vielen Lebensbereichen ist noch nicht in Sicht. Präsentiert wird  nun ein fragiles Gebilde an Maßnahmen, getragen von Hoffnung und dem Wunsch nach dem Leben zuvor, nach Kontinuität und gewohnter Verlässlichkeit auch in Institutionen wie Schule und Horten als Lernräumen der Kirche. 

Konrad Böhm

Schulrat i.K.