„Herzlich. Kirchlich.“

Checkliste Einladend Kirche sein. Eine Anregung aus dem Bistum Essen

Wie Kirche noch einladender sein kann, dazu hat sich das Bistum Essen gemeinsam mit der „Agentur für Freundlichkeit“ einen Kopf gemacht. Das Resultat aus Workshops und zahlreichen Interviews ist in einen dicken Reader geflossen:

Herzlich. Kirchlich. Willkommenskultur von A-Z. Ein Raeder für die kirchliche Arbeit“.
Den gesamten Reader finden Sie hier www.zukunftsbild.bistum-essen.de“ unter dem Stichwort „ Wie heißen wir Menschen willkommen?“

Wir schlagen zum Einstieg ins Thema „Einladend Kirche sein“ eine schlanke Checkliste vor, bekennen uns zur Unvollständigkeit, haben uns vom Bistum Essen inspirieren lassen und noch mehr von gemeindlichen Initiativen aus unserem Erzbistum, die sich „Einladend Kirche sein“ schon auf die Fahnen geschrieben haben.

„Willkommenskultur entspricht einer Haltung, die einlädt – aber nicht vereinnahmt. Eine Haltung, die man immer  noch ein bisschen verbessern kann.“ 

Lächeln kann man hören

Anrufbeantworter: Alle Anrufenden haben die berechtigte Erwartung, in freundlicher Weise die gewünschte Information zu erhalten. Nicht immer kann das Telefon besetzt sein. Rufen Sie mal ihren Anrufbeantworter an, um sich Text und Tonfall „von außen“ anzuhören – passt alles? „Lächeln“ kann man hören.

Und für Fortgeschrittene:
AB nach Dienstschluss: „Herzlich willkommen in der Gemeinde xy .
Persönlich sind wir zu folgenden Zeiten für Sie da:
dienstags und donnerstags von 10.00 bis 13.00 Uhr, freitags von 15.00 bis 18.00 Uhr. Gerne können Sie uns Ihren Namen und Ihre Telefonnummer hinterlassen. Wir rufen spätestens am nächsten Arbeitstag zurück. Vielen Dank für Ihren Anruf und auf Wiederhören.“

AB während der Öffnungszeiten: „Herzlich willkommen in der Gemeinde St. XY.
Schön, dass Sie anrufen. Wir sind zur Zeit im Gespräch und können deshalb Ihren Anruf nicht entgegennehmen. Gern können Sie uns Ihre Telefonnummer hinterlassen. Wie rufen so schnell wie möglich zurück. Vielen Dank und auf Wiederhören.“

Herzlich willkommen

Begrüßungsdienst: In manchen Gemeinden ist es mittlerweile gute Tradition, Gottesdienstteilnehmende an der Kirchentür zu begrüßen. In den USA sind solche „Greeter“ schon lange selbstverständlich. Wenn in Gemeinden über den Begrüßungsdienst beraten wird, gibt es natürlich auch Kritik: „Brauchen wir nicht – wir kennen uns doch alle“. Aber auch die Erfahrung:  „Menschen sind so dankbar für freundliche Worte – oftmals die ersten an diesem Tag!“ Der Begrüßungsdienst ist ein geistlicher Dienst: Menschen im Auftrag dessen willkommen heißen, der zu dieser Feier einlädt – im Namen Gottes!

Welcome - bienvenue - powitanie – välkommen: In unseren Gemeinden leben Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen. Sie kommen in die Gottesdienste, gehen zu den Sakramenten, bringen ihre Kinder zur Erstkommunionvorbereitung u.v.m. Im Erzbistum Berlin haben 35 % der Katholiken eine nicht-deutsche Muttersprache. Dass wir Weltkirche sind, zeigt sich in Berlin aber auch in den großen Städten Brandenburgs und Vorpommern sowie in der Oder-Grenzregion. Es ist daher ein willkommen heißendes Zeichen, wenn Informationen mehrsprachig verfasst oder Fürbitten in anderen Sprachen vorgetragen werden. Übrigens: Wenn jemand während des Evangeliums auf sein Smartphone schaut, kann das auch bedeuten, dass sie oder er das Evangelium in der eigenen Muttersprache mitliest!

Neu hier? Wo und wie finden „Schnupperer“ oder Neuzugezogene, die ja noch niemanden kennen, eine/-n Ansprechpartner/-in?
Wenn es manchmal auch langwierig ist, bis die Meldeämter die Adressen aktualisieren – lassen Sie sich nicht entmutigen. Ein schriftlicher Willkommensgruß auch einige Monate nach dem Einzug verbreitet Freude, wenn man in der Formulierung auf die Verspätung eingeht.

Kirchencafe: Viele Gemeinden laden nach dem Gottesdienst zum Kirchencafé oder Gemeindetreff ein. Gibt es dort jemanden mit Namensschild, der erkennbar ansprechbar ist für Erstbesucher/-innen? Und gibt es rund um diesen „jemand“ ein Team, so dass die Aufgabe nicht immer von einer Person, sondern abwechselnd übernommen wird?

Vermelden ist gut – persönlich ansprechen ist besser! Laden Sie die Leute, die sie nicht kennen doch mit einem netten Wort ein. Namensschilder für das Café-Team zeigen: Ich bin ansprechbar.

Offene Kirche – treten Sie ein! An vielen Orten wird die Kirche auch außerhalb der Gottesdienstzeiten offen gehalten, um den Kirchenraum zu erleben, zum Ausruhen, zum Gebet. Die Kirche ist ein Ort, der Menschen anregen und zur Besinnung kommen lassen kann.  Viele Menschen zünden gern eine Kerze an, auch wenn sie sich nicht als gläubig bezeichnen.

Die meisten Kirchen sind aus Sorge vor Vandalismus verschlossen. Diese Sorge mag sehr berechtigt sein. Es lohnt sich darüber nachzudenken, eine Testphase „Offene Kirche“ für einen begrenzten Zeitraum zu starten. In manchen Gemeinden sind Gemeindemitglieder gerne bereit, zu festgelegten Zeiten in der Kirche anwesend zu sein. Ein kleiner Flyer mit Informationen zur Architektur und zur Geschichte der Kirche wie ein aufgeschlagenes „Wir beten für Sie“-Fürbittbuch sind schöne Zeichen.

Alle sind eingeladen

Inklusion: Eine einladende Kirche ist eine inklusive Kirche. Wie sprechen wir unterschiedlichste Menschen an, sich bei uns zu Hause zu fühlen? Wie können wir den Blick offen halten, ihre Gaben zu schätzen und offen zu sein, sie einzubeziehen?
Ganz konkret: Wie kann ein Kind/Jugendliche mit einer Behinderung z.B. am Chor, Ministrant/-innendienst oder den Sakramenten teilnehmen? Wie binden wir Orte kirchlichen Lebens in unsere Veranstaltungen ein – aus Seniorenheimen, Wohngemeinschaften mit Menschen mit Handicap o.ä.

Verständlich - Einfache Sprache: Deutschlandweit haben etwa 10 Millionen Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen Schwierigkeiten beim Verständnis der geschriebenen Sprache. Auch bei Vermeldungen und Ansagen ist es hilfreich, klar und eindeutig zu kommunizieren. Klare Botschaften und einfache Satzstrukturen helfen, dass das Gesagte verständlich ankommt. Tipp: bei wichtigen Veröffentlichungen gibt es Übersetzungsbüros für Leichte Sprache.

Barrierefreiheit: Wenn „Alle sind eingeladen“ ernstgemeint ist: Wie zugänglich sind unsere Angebote? Gibt es einen barrierefreien Zugang zu Kirche, Pfarrbüro, Gemeinderäumen und WCs? Gibt es einen Hinweis, wie man mit Kinderwagen oder Rollator/Rollstuhl ans Ziel gelangt? Schon das Gotteslob im Großdruck kann Barrieren abbauen. Und mit Hilfe eines Gebärdensprachdolmetschers können auch gehörlose Menschen verstehen, was Sie verkünden.

Induktionsschleifen: Ein Gottesdienst kann für Menschen mit Hörproblemen zur echten Herausforderung werden – selbst, wenn sie ein Hörgerät tragen. Damit auch schwerhörige Menschen dem Gottesdienst folgen können, lohnt es sich, mit Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand über die Anschaffung von Induktionsschleifen zu beraten und diese dann auszuschildern. Bitte denken Sie daran, dass die Wartung der Induktionsanlage organisiert wird.

Hilfreich: gewinnen Sie eine Ansprechperson in der Gemeinde/im pastoralen Raum für Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Unsere Fachstelle „Menschen mit Behinderung“ berät gerne: monika.ballani(ät)erzbistumberlin.de , Tel.: 030/326 84 - 528

Gut orientiert

Beleuchtung: sind die Gebäude, Wege und Räume – gerade für Abendveranstaltungen –  ausreichend beleuchtet?
Ist die Kirche ausreichend beleuchtet, um Texte und Lieder lesen zu können?
Gibt es für den Kirchenraum ein Licht-Konzept, um bestimmte Orte oder Gegenstände in der Kirche oder bei der Feier der Liturgie besonders hervorzuheben?

Beschilderung & Wegweiser: Gemeindehaus, Pfarrbüro, Kirche: Können sich Besucher/-innen, die zum ersten Mal den Kontakt suchen, gut orientieren?

Wir kennen uns aus in unseren Räumen, aber wie geht es unseren Gästen? Sind Toiletten gut zu finden? Und kann mit dem Hinweis „In der Küche steht noch Tee!“ jede/-r etwas anfangen?

Pastorale „Räume“

Gemeinderäume: Sind die Räume „verwohnzimmert“, dient eine Ecke gar als Abstellraum? Oder sind sie so gestaltet, dass Besucher/-innen angenehm überrascht sind? Wann wurde das letzte Mal renoviert, wie oft werden die Räume gereinigt und aufgeräumt. Versuchen Sie einmal, Ihre Räume mit dem Blick „von außen“ anzuschauen.

Hausordnung: „Herzlich willkommen in St. XY! Für ein gutes und konfliktfreies Miteinander in unseren Räumen, die von vielen Gruppen genutzt werden, bitten wir Sie …“ klingt etwas anders als „Stühle stapeln nach der Veranstaltung!“ Ein Bestuhlungsplan und beschriftete Schränke und Schubladen helfen beim Aufräumen auch denen, die sich nicht so gut auskennen.

Alle sollen es wissen

Mehr als Public Relations! Gut gemachte kirchliche Öffentlichkeitsarbeit ist mehr als „nur“ Public Relations. Idealerweise ist sie Mitgliederkommunikation: Mitgliederbindung nach innen und Zeugnis von Gottes guter Nachricht nach außen. Das kann über die Gemeindehomepage passieren, über den Schaukasten, über Artikel in der örtlichen Presse, kommunale Kontakte, Flyer, Anschreiben etc.

Homepage: Erstinformationen werden von Neuzugezogenen oder Menschen, die anlassbezogen Kontakt suchen, meist per Internet gesucht. Wie schnell erhält der Nutzer online Informationen zu Taufe, Erstkommunion, Firmung oder zur Trauung, im Krisenfall oder der Bestattung? Bei der Konzeptionierung der Seite vom Nutzer her denken: Kurze Wege zu den wichtigsten Informationen wie Adressen, Öffnungszeiten oder Gottesdiensten sind Voraussetzung. Tipps zur Erstellung einer Seite:

  • Konzept: Zeit einplanen und vom Nutzer her denken
  • Umsetzung: Nutzen Sie gern den Internet-Baukasten unseres Bistums
  • Laufende Pflege: Die schönste Internetseite ist wertlos, wenn sie nicht regelmäßig gepflegt wird. Arbeiten Sie im Team, damit die Last auf mehreren Schultern verteilt ist. Internetseiten in Schuss zu halten kostet Zeit!

Schaukasten: Die Bedeutung des Schaukastens wird häufig unterschätzt. Auch er bedarf regelmäßiger Pflege und eine inhaltlich durchdachte Gestaltung, um zum Anhalten einzuladen. Tipps für Ihren Schaukasten:

  • Standort: Vor der Kirchentür platziert verrät er Binnenorientierung, neben den Schaukästen im Kiez oder der Kommune zeigt er: Die Pfarrgemeinde ist „mittendrin“.
  • Gestaltung: Der Schaukasten sollte als eine Einheit mit einem klaren Absender gestaltet werden – ein Blick aus der Ferne lohnt sich.
  • Aufmerksamkeit gewinnen: Ruhig auch mal mit Blickfängern oder plastischen Gegenständen arbeiten.
  • Aktualität: Überholte Inhalte sind nicht attraktiv – arbeiten Sie auch hier im Team.

Publikationen: Flyer, Plakate, Pfarrbrief – es muss nicht immer Hochglanz sein. Oft ist weniger mehr und wichtig ist die Wiedererkennbarkeit des Absenders. Überlegen Sie sich ein einfaches attraktives Konzept für die unterschiedlichen Formate, die dann eine Sprache sprechen, die Sprache Ihrer Gemeinde.

Pfarrbrief: Alle wichtigen Infos zur Erstellung eines Pfarrbriefs, eine kostenlose Bild- und Textdatenbank, ein kostenlosen Pfarrbriefcheck und nützliche Tipps und Tricks unter: www.pfarrbriefservice.de . Nutzen Sie das Angebot der Bistümer! Hier finden Sie unter „Medienwerkstatt“ auch viele Infos zur Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit vor Ort.

Die Pressestelle unterstützt Sie gern rund um die Öffentlichkeitsarbeit: presse(ät)erzbistumberlin.de , (030) 326 84-136

Kirchliche Öffentlichkeitsarbeit praktisch: Einmal im Jahr findet ein Werktag kirchliche Öffentlichkeitsarbeit statt mit Vorträgen und Workshops zu Fundraising, Social Media, Pfarrbriefarbeit, Schreibwerkstatt etc. In diesem Jahr findet er statt am Samstag, 14. September 2019.

Bitte - Danke - Entschuldigung

Danke! Ob sich „Neue“ herzlich willkommen fühlen und „Alteingesessene“ gerne immer wieder kommen, ist geprägt von der Freundlichkeit und Zugewandtheit der unzählig ehrenamtlich Engagierten. Ist eine Dankeskultur für Ehrenamtliche, die das „herzlich Willkommen“ ganz selbstverständlich ermöglichen, fest verankert? Der Umgang zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen, Männern und Frauen, Jungen und Alten strahlt auf alle aus, die kommen. Und ist Zeichen der „Betriebs“-Kultur, die man wahrnimmt.

Geben und nehmen

Feedbackkultur: Wir sind an Rückmeldungen von Besuchern/-innen von Festen und Veranstaltungen interessiert. Wir wollen aus Rückmeldungen lernen, wollen uns verbessern. Einfache Möglichkeit: Am Ende einer Veranstaltung um ein Stimmungsbild bitten. 

Martina Richter, Sr. Monika Ballani, Hermann Fränkert-Fechter, Christoph Kießig, Ute Eberl und herzlichen Dank an die vielen, die uns auf die Sprünge geholfen haben.