Kommunikation des Evangeliums durch Social Media

Foto: Eike Thies

Die digitale Arbeit in den Sozialen Medien ist Kommunikation des Evangeliums. Das völlig natürliche und auch verständliche Reden über Gott, Glauben und Kirche - das wollte der evangelische Kirchenkreis Tempelhof-Schöneberg und schuf zum Januar 2019 dafür eine eigene Pfarrstelle. Ich bekam die Stelle direkt nach dem Vikariat als meine Entsendungsdienststelle und seitdem bin ich „Pfarrerin für den digitalen Raum im Kirchenkreis Tempelhof-Schöneberg“. Meine Funktionspfarrstelle ist zweigeteilt - einerseits hat sie den Schwerpunkt in den Sozialen Medien. Unter dem Namen @theresaliebt poste ich Beiträge auf Instagram (etwa 16.000 Abonnenten), produziere und schneide YouTube-Videos (etwa 2800 Abonnenten), beteilige mich an Debatten auf Twitter (etwa 3900 Follower) und vernetze all das noch auf facebook (etwa 2000 „Gefällt-mir“-Angaben). In diesem Zusammenhang bedeutet für mich #digitaleKirche, dass Glaube im Internet auf ganz unterschiedliche Art und Weise gelebt wird, indem durch Posten, Liken und Teilen von Beiträgen das Evangelium kommuniziert wird.

Außerdem beinhaltet meine Pfarrstelle klassische Gemeindearbeit: Gottesdienste, Beerdigungen, Taufen, Trauungen, Gemeindekirchenrats-Sitzungen, Gemeindefeste, etc. Über meine Erfahrungen in der Gemeinde und meinen Alltag als Pfarrerin berichte ich in den sozialen Medien; auch wie es ist, Vollzeit zu arbeiten und gleichzeitig den Alltag mit Kleinkind und Familie gesund zu meistern.

Für mich, so wie für viele Menschen in meiner Generation, ist die Digitalisierung völlig natürlich, ich bin damit größtenteils aufgewachsen, die Sozialen Medien sind Teil meines Alltags, das Kommunizieren über das Smartphone ist eins meiner Lieblingshobbys und mein Tablet benutze ich sowohl für Gottesdienste und Kasualien, als auch zum Serien schauen. Digitalisierung ist für mich eine völlig natürliche Realität, deshalb spricht man heute auch von der Digitalität.

Die Kirche kann sich diesem Wandel nicht entziehen, denn das widerspräche ihrer eigenen Sache, da das theologische Motiv der Inkarnation, dadurch, dass Gott selbst in Christus Mensch wird, auch im Sinne einer Inkulturation aufzufassen sei; eine alleinige konterkulturelle Haltung wäre somit nicht angemessen. (Vgl. MOLDENHAUER, Praktische Theologie der Bibel, Exemplarische Felder des Bibelgebrauchs in kirchlich-gemeindlicher Praxis, in: BEG, Band 25, Göttingen 2018, 478.) Damit die Kirche in der gegenwärtigen Gesellschaft als Gesprächspartnerin wahrgenommen und respektiert wird, ist vorauszusetzen, dass sie sich dort auch den gängigen Kommunikationsmustern entsprechend zu verständigen weiß und sich in den Dialog begibt. (Vgl. a.a.O., ebd.)

Es bestehen konkrete Chancen der Einbindung von Social Media in die kirchliche Arbeit, um Menschen bei den Schwierigkeiten des Lebensalltags in den Sozialen Medien, durch Angebote christlicher Sinngebung Deutungshorizonte zu eröffnen. Durch die Präsenz der Kirche im Digitalen kann Menschen vermittelt werden, dass die Kirche eine Institution ist, die ihnen dabei hilft, sich in der digitalen Welt zu orientieren, die noch immer Sinn- und Wertorientierung geben kann.

Gerade aktuell, im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, ist das umso wichtiger. Das kirchliche Leben hat sich dadurch seit März 2020 nochmals verändert. Ich sehe die Aufgabe der Kirche in den Zeiten der Corona-Krise darin, Menschen Mut zu machen, sie nicht alleine zu lassen, ihnen Hoffnung und Zuversicht zu geben und ganz besonders darin Trost zu spenden.

Der Bedarf an Online-Präsenz von Pfarrerinnen und Pfarrern ist in diesem Zusammenhang aktuell sehr groß. Viele Mitarbeitende der Kirche und auch Pfarrerinnen und Pfarrer melden sich neu in den sozialen Medien an und erleben das, wovon ich schon seit Jahren berichte: Man kann sehr gut durch das Digitale miteinander verbunden sein, Kirche sein und über den Glauben sprechen.

Für mich ist es aktuell besonders wichtig für Menschen da zu sein - ich beantworte schriftlich Fragen, nehme Sprachnachrichten auf und erzähle darüber, wie mein Glaube mich durch diese Krise trägt.

Durch meine bisherige Arbeit in den Sozialen Medien haben sich fünf Fragen herauskristallisiert, die man sich stellen sollte, bevor man den Social-Media-Auftritt einer kirchlichen Institution, Kirchengemeinde oder von kirchlichen Mitarbeitenden plant:

  1. Wer ist meine Zielgruppe, also wen möchte ich erreichen?
    Sinnvoll ist es, wenn man mit dem Social-Media-Account nicht nur Hochverbundene oder Kirchenmitglieder erreicht, sondern auch Menschen, die nach Spiritualität und Glauben suchen. Das impliziert aber auch, dass die verwendete Sprache verständlich ist (zum Beispiel keine kircheninternen Fremdwörter oder Abkürzungen).
  2. Welchen Content (Inhalt) möchte ich posten?
    Es sollte gut durchdacht werden, was genau erzählt werden soll: Geht es um eine Person oder um eine Institution? Wenn man sich für einen institutionalisierten Account entscheidet, dann sollte auch immer klar sein, dass es dabei schwierig ist, darüber Menschen zu erreichen, denn in den sozialen Medien folgt man hauptsächlich Menschen und weniger Institutionen. Grundsätzlich muss man sich von dem Gedanken verabschieden, dass kirchliche Themen per se Trendthemen in den sozialen Medien sind. Eher muss man beobachten: Was sind aktuelle Trendthemen, welche Themen sind gesellschaftlich relevant und wie verhalten wir uns als Kirche oder auch als Christ/-innen dazu? All das fordert eine gute Planung und Konzeption.
  3. Welche Plattform passt dafür?
    Jede Social-Media-Plattform hat eigene Anforderungen, eigene Algorithmen und einen eigenen Zeitaufwand. Es sollte vorher gut geplant werden, was zu dem Ziel und der Zielgruppe passt, die man erreichen möchte.
  4. Die Beiträge, die man postet, sollten gut, ansprechend und vor allem auch regelmäßig gepostet werden.
    Das impliziert vor allem auch eine Ästhetik, sowohl in der Sprache als auch in den Bildern. Hierbei sollte sich nicht an der kirchlichen Ästhetik orientiert werden, sondern an den schon vorhandenen anderen Profilen auf den jeweiligen Plattformen. Was spricht an? Was passt zu einem selbst oder zur Institution? Das impliziert wiederum: Social Media braucht Zeit und bedeutet eine Menge Arbeit. All das kann nicht allein nebenbei oder im Ehrenamt zu schaffen sein sondern braucht Stellenanteile.
  5. Die wichtigste Frage ist: Hat man Spaß an Social Media?
    Die Freude darf dabei nicht verloren gehen und sollte vorhanden sein. Gerade bei unseren kirchlichen Inhalten sollten wir transportieren, dass wir Freude an dem haben, was wir glauben, leben und arbeiten.
Theresa Brückner